Aus mir unbekannten Gründen ist der Sohn ein echter Bergfex geworden. OK, wir Eltern fahren Ski und waren mit ihm auch schon mal im Sommer in den Alpen im Urlaub, aber das allein kann die tiefe Faszination nicht erklären, die die Berge in ihm auslösen. Es ist eindeutig etwas Eigenes, tief Empfundenes - nichts Angelerntes.
Als ich ihm den Vorschlag einer Motorrad-Wochenendtour in die Alpen machte, musste er keine Sekunde nachdenken. Und ich freute mich genauso - ist schon toll für den Papa, wenn der 17-jährige Sohn noch freiwillig etwas mit ihm unternimmt. Natürlich wünsche ich ihm sehr, dass er auch gleichaltrige Motorradkumpels finden wird - wobei ich mir gleichzeitig auch Sorgen um die Gruppendynamik und das daraus resultierende Gefahrenpotenzial mache. Aber wer weiß - vielleicht wird es in Zukunft eine Tradition, dass wir gemeinsam eine Motorradtour machen. Am liebsten natürlich zu dritt, oder in Verbindung mit der Brüdertour, oder - ach egal. Hauptsache Motorrad fahren!
Doch zurück zum Anlass dieses Posts. Ja, wir waren tatsächlich zusammen in den Alpen! Am Freitag ging es los: Wir hatten uns eine Basisstation in Oberstaufen gebucht, direkt an der Grenze zu Österreich. Das waren von Würzburg gut 350 Kilometer Anfahrt. Ich konnte vorher nicht wirklich einschätzen, ob die 125er das Durchschnittstempo gegenüber der Enfield noch einmal senken würde, aber das tat sie nicht. 350 Kilometer mit den beiden kleinen Maschinen sind trotzdem eine ordentliche Tagesaufgabe, vor allem, da wir nur kleine Landstraßen fuhren.
Für den nächsten Tag hatte ich eine Runde abgesteckt, die alles verband, was man von Oberstaufen aus an einem Tag erreichen konnte, ohne es mit der Fahrzeit komplett zu übertreiben. Und die sah so aus: Zuerst über das Oberjoch nach Österreich, dann durch das Namloser Tal zum Fernpass, dann über das Hahntennjoch zurück in Richtung Warth, dann runter zum Arlberg und über Bludenz und das Faschinajoch zurück nach Oberstaufen. Glücklicherweise schaute ich beim Start nochmal auf die Verkehrslage und strich den Fernpass aus der Routenplanung - irgendwo hatten anscheinend wieder Ferien begonnen. Also fuhren wir das Namloser Tal nur ein paar Kilometer von Lechtal aus hinauf und dann wieder zurück. Das Hahntennjoch hingegen überquerten wir zwei Mal komplett. Der erste richtige Pass, das erste richtige hochalpine Fahrerlebnis für den jungen Mann - und er hat es fahrtechnisch sehr gut gemeistert. Und war begeistert.
Ob sich der Schlenker über den Arlberg gelohnt hat, da bin ich mir nicht so sicher. Die Strecke über Lech/Zürs und den Flexenpass war zwar interessant zu fahren und landschaftlich schön, aber von Langen am Arlberg bis hinter Bludenz ging es ausschließlich durch Ortschaften - da hielt sich der Fahrspaß in Grenzen.
Trotzdem war es ein großartiger Tag - Kaiserwetter, Traumlandschaften, und natürlich waren auch jede Menge edle Oldtimer und Supersportwagen unterwegs. Wir konnten uns kaum satt sehen! Und mit den kleinen Maschinen ärgert man sich auch nicht so sehr, wenn es mal langsamer vorangeht und man Kolonne fahren muss. Wer sowieso nicht überholen kann, der denkt auch gar nicht erst daran.
Tja, aber es war eben nur ein Wochenende - heute ging es also schon wieder zurück. Zuerst per Navi auf kleinen Straßen durch das wunderschöne Allgäu, dann über die Schwäbische Alb, und ab dem Kochertal auf der B19 bis Würzburg. Ich mag zwar keine Bundesstraßen, aber die B19 ist wirklich schön zu fahren, und an Sonntagen auch Lkw-frei.
Hat da noch irgendwas gefehlt? Ja - noch schöner wäre es, so etwas mal zu dritt machen zu können. Aber daran arbeite ich - mehr demnächst auf dieser kleinen Seite!
