Ein Blog. Über's Motorradfahren.
Vor knapp zehn Jahren, im Jahr 2017, begann meine Karriere als Endurofahrer – und endete gleich wieder. Zusammen mit meinem jüngsten Bruder hatte ich damals eine Reise bei Roadbooktouren.de gebucht. Die Spezialität von Mastermind Alexander Métayer: Im durchasphaltierten und regulierten Mitteleuropa Motorradtouren mit möglichst hohem Offroadanteil zu veranstalten. Wir waren damals in den Vogesen unterwegs, und ich war mehr als überrascht, wie viele Waldwege und kleinste unbefestigte Verbindungsstraßen sich dort noch legal fahren lassen. Das machte viel Spaß – allerdings weniger von der Sorte „entspannter Fahrgenuss“, sondern eher so: „Wahnsinn, dass ich das geschafft habe“.
Für meinen Bruder war die Tour der Einstieg in eine beachtliche Karriere als Endurofahrer, während ich für mich beschloss, mich fürderhin lieber auf den Asphalt zu beschränken.
Bis dieses Jahr habe ich mich daran auch gehalten. Doch am letzten Wochenende fand ich mich dann doch erneut in den Vogesen wieder, mit Roadbooktouren. Und das kam so: Tobias bekam von seiner Frau zum 40. Geburtstag im letzten Jahr genau diese Reise geschenkt. Und da unsere traditionsreiche Brüdertour in den letzten beiden Jahren wegen Hausbau und Familiengründung eher klein ausgefallen war, beschlossen wir beiden Älteren, uns anzuschließen und die Vogesenreise zur Brüdertour 2026 zu machen.
Ich musste also doch wieder runter von der Straße.
Nach meinen Erfahrungen von 2017, als ich die Schotterpassagen mit einer Honda SLR 650 absolviert hatte, erschien es mir logisch, meine KTM 390 Adventure zu verwenden. Schließlich ist sie eine sehr leichte und kompakte Reiseenduro, und ich hatte auf dieser Tour schon Menschen auf 1200ern gesehen. Ali Métayer vermietet zwar auch Maschinen, und zwar sehr leichte und fähige Yamaha WR 250, aber den Aufpreis wollte ich mir gerne sparen. Resümee: Es ging auch mit der KTM. Irgendwie. Aber langsamer und wahrscheinlich mit einem deutlich geringeren Sicherheitsgefühl als mit den echten Enduros. Denn die schwebten mit ihren langen Federwegen über viele Unebenheiten einfach drüber, während ich Mühe hatte, das bockende Pferdchen in der Senkrechten zu halten. Wie gesagt: Es ging. Aber so richtig viel Spaß hat das nicht gemacht. Ganz im Gegensatz zu Michael, der zum ersten Mal im Leben auf einer Enduro saß und damit Gelände fuhr. Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, peste er hinter weit geübteren Fahrern her und meisterte am Ende sogar die Mutprobe, eine steile Auffahrt, an die ich mich im Leben nicht herantrauen würde.
Es ging aber nicht alles immer glatt. Wie der Name schon sagt, navigiert man mit Roadbooks, also mit einen langen Papierstreifen mit zahllosen Abbiegehinweisen. Das klappt meistens, aber nicht immer. Wenn man beispielsweise einen falschen Abzweig nimmt, dann driften die Hinweise im Roadbook und die echte Geographie sehr schnell auseinander. O-Ton Ali Metayer: „Die ersten zwei, drei Bilder kann man sich noch schönreden.“ Uns passierte das, und wir landeten irgendwann auf einem abschüssigen Trampelpfad. Als es nicht mehr weiter ging, mussten wir die Maschinen rückwärts den Berg wieder hochschieben. Bloß gut, dass wir keine 1200er GS dabei hatten.
Spaß fand ich dafür auf den Straßenpassagen, die glücklicherweise den größeren Teil der Strecke ausmachten. Die Vogesen bieten ein unfassbar vielfältiges und interessantes Straßennetz – von der perfekt asphaltierten Bergrennstrecke bis hin zu hauchdünn asphaltierten Single Trails durch den Wald. Und dank des sonnigen und warmen Spätsommerwetters war das Fahren dort das reine Glück. Und hier passte die KTM auch perfekt hin.
Jeweils ungefähr 200 Kilometer waren unter diesen Bedingungen eine gute Tagesaufgabe, wobei zum Roadbooktouren-Konzept immer auch ausgedehnte Pausen in sehr gut ausgesuchten gastronomischen Einrichtungen gehören. Aber auch das ist gut so – denn ich kenne uns ja. Wenn wir Brüder ohne eine solch Organisation unterwegs sind, dann machen wir meistens gar keine richtige Pause.
Die Brüdertour 2026 war also wieder ein großartiges -Erlebnis. Allerdings wird meine Geländefahrer-Karriere nach diesem kurzen Zwischenhoch ganz schnell wieder einschlafen. Nur eines war schade; Dass die Hauptperson krankheitshalber gar nicht mitfahren konnte.
Zu dritt mit dem Motorrad in den Familienurlaub zu fahren, ist schwierig. Die weite Anreise, das begrenzte Gepäckvolumen, und vor Ort zum Einkaufen oder für Ausflüge stets auf das Motorrad angewiesen zu sein - das sind alles zwar lösbare Aufgaben, aber kaum förderlich für die Erholung. Doch als Torsten vom TT Motorbikeblog im Frühjahr beiläufig mitteilte, dass er einen Motorradanhänger mit Platz für drei Maschinen besitzt und bereit ist, ihn zu verleihen, da musste ich nicht lange nachdenken.
Jedenfalls über die Idee selbst, die Motorräder mit dem Anhänger an den Comer See zu transportieren. Die Ausführung selbst machte mir jedoch ziemlich große Sorgen, besitzen wir doch als Auto lediglich einen Kleinwagen vom Typ Honda Jazz.
Immerhin: Honda gibt als maximale Anhängelast für das Modell erstaunliche 1.000 Kilogramm an. Und da eine KTM Adventure 390, eine Triumph Street Triple und eine Yamaha XSR 125 zusammen unter 500 kg auf die Waage bringen und auch der Anhänger selbst weniger als 200 kg wog, waren wir von diesem Limit noch ein beruhigend großes Stück entfernt.
Allerdings: Zwischen uns und dem Comer See liegen die Alpen, und auch wenn ich dem Honda mit seinem superkurz übersetzten 1,5-Liter-Saugmotor problemlos zutraute, drei Personen, einen Haufen Gepäck plus 700 kg Anhängelast den Anstieg Richtung San-Bernardino-Tunnel hochzuzerren, so machte mir doch die anschließende kilometerlange Bergabfahrt Sorgen. Boten die kleinen Bremsscheibchen tatsächlich genügend Reserven? Wie stark sind die eigenen Bremsen des Anhängers? Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass mir jegliche Erfahrung mit einem Pkw-Gespann fehlt?
Aber wer nicht wagt... Am 1. August ging es los. Einmal mehr war ich erstaunt, wie problemlos das kleine Raumwunder aus Japan drei Personen, ihr Urlaubsgepäck plus Motorradklamotten und Helme verdaute - vor allem verglichen mit vielen anderen Autos, die ich vollgestopft bis unters Dach auf der Autobahn sah. Trotzdem hing der Wagen, vor allem nach dem Ankoppeln des Anhängers, schon ziemlich tief in den Federn. Egal - wird schon gutgehen!
Und es ging auch gut. Im Vergleich zum anhängerlosen Fahren war man zwar tendenziell immer einen Gang niedriger unterwegs, und der Verbrauch lag im Durchschnitt etwa einen Liter höher. Auf den Anstiegen in den Alpen gab es auch längere Dritter-Gang-Passagen - aber einen japanischen Motor bringt sowas ja nicht um. Und dank Schaltgetriebe und ausgiebiger Nutzung der Motorbremse liefen auch die Gefällestrecken vollkommen angstfrei ab. Kein Gestank, keine Geräusch aus der Bremsanlage - top!
Zwar konnten wir nicht den kürzesten Weg über die Alpen nehmen - der Splügenpass ist für Gespanne vernüftigerweise gesperrt. So brauchten wir für die knapp 600 Kilometer lange Anreise über Lugano etwa zehn Stunden. Keine große Sache!
Und es war schon sehr luxuriös, das Auto UND die Motorräder im Urlaub dabei zu haben. Einkaufen oder einen Städtetrip machen (wir waren beispielsweise in Mailand und Como) sind damit doch viel bequemer. Und wir konnten eben auch vier tolle Motorradtouren machen und ein paar der großen Schweizer Pässe abfahren - Maloja, Julier, Albula und Bernina - sowie den Splügen und den tollen San-Marco-Pass in den Bergamasker Alpen. Insgesamt waren das zwar "nur" 750 Kilometer, aber die eben auschließlich in den Alpen.
Es war zwar schon irgendwie verrückt, mit fünf Fahrzeugen in den Urlaub zu fahren - aber einmal kann man sich den Luxus ja gönnen. Denn mit dem nächsten Auto dürfte auch bei uns der E-Antrieb Einzug halten - und E-Autos, die in unser Budget passen, sind oft gar nicht anhängertauglich. Bin froh, dass wir es gemacht haben.
Aus mir unbekannten Gründen ist der Sohn ein echter Bergfex geworden. OK, wir Eltern fahren Ski und waren mit ihm auch schon mal im Sommer in den Alpen im Urlaub, aber das allein kann die tiefe Faszination nicht erklären, die die Berge in ihm auslösen. Es ist eindeutig etwas Eigenes, tief Empfundenes - nichts Angelerntes.
Als ich ihm den Vorschlag einer Motorrad-Wochenendtour in die Alpen machte, musste er keine Sekunde nachdenken. Und ich freute mich genauso - ist schon toll für den Papa, wenn der 17-jährige Sohn noch freiwillig etwas mit ihm unternimmt. Natürlich wünsche ich ihm sehr, dass er auch gleichaltrige Motorradkumpels finden wird - wobei ich mir gleichzeitig auch Sorgen um die Gruppendynamik und das daraus resultierende Gefahrenpotenzial mache. Aber wer weiß - vielleicht wird es in Zukunft eine Tradition, dass wir gemeinsam eine Motorradtour machen. Am liebsten natürlich zu dritt, oder in Verbindung mit der Brüdertour, oder - ach egal. Hauptsache Motorrad fahren!
Doch zurück zum Anlass dieses Posts. Ja, wir waren tatsächlich zusammen in den Alpen! Am Freitag ging es los: Wir hatten uns eine Basisstation in Oberstaufen gebucht, direkt an der Grenze zu Österreich. Das waren von Würzburg gut 350 Kilometer Anfahrt. Ich konnte vorher nicht wirklich einschätzen, ob die 125er das Durchschnittstempo gegenüber der Enfield noch einmal senken würde, aber das tat sie nicht. 350 Kilometer mit den beiden kleinen Maschinen sind trotzdem eine ordentliche Tagesaufgabe, vor allem, da wir nur kleine Landstraßen fuhren.
Für den nächsten Tag hatte ich eine Runde abgesteckt, die alles verband, was man von Oberstaufen aus an einem Tag erreichen konnte, ohne es mit der Fahrzeit komplett zu übertreiben. Und die sah so aus: Zuerst über das Oberjoch nach Österreich, dann durch das Namloser Tal zum Fernpass, dann über das Hahntennjoch zurück in Richtung Warth, dann runter zum Arlberg und über Bludenz und das Faschinajoch zurück nach Oberstaufen. Glücklicherweise schaute ich beim Start nochmal auf die Verkehrslage und strich den Fernpass aus der Routenplanung - irgendwo hatten anscheinend wieder Ferien begonnen. Also fuhren wir das Namloser Tal nur ein paar Kilometer von Lechtal aus hinauf und dann wieder zurück. Das Hahntennjoch hingegen überquerten wir zwei Mal komplett. Der erste richtige Pass, das erste richtige hochalpine Fahrerlebnis für den jungen Mann - und er hat es fahrtechnisch sehr gut gemeistert. Und war begeistert.
Ob sich der Schlenker über den Arlberg gelohnt hat, da bin ich mir nicht so sicher. Die Strecke über Lech/Zürs und den Flexenpass war zwar interessant zu fahren und landschaftlich schön, aber von Langen am Arlberg bis hinter Bludenz ging es ausschließlich durch Ortschaften - da hielt sich der Fahrspaß in Grenzen.
Trotzdem war es ein großartiger Tag - Kaiserwetter, Traumlandschaften, und natürlich waren auch jede Menge edle Oldtimer und Supersportwagen unterwegs. Wir konnten uns kaum satt sehen! Und mit den kleinen Maschinen ärgert man sich auch nicht so sehr, wenn es mal langsamer vorangeht und man Kolonne fahren muss. Wer sowieso nicht überholen kann, der denkt auch gar nicht erst daran.
Tja, aber es war eben nur ein Wochenende - heute ging es also schon wieder zurück. Zuerst per Navi auf kleinen Straßen durch das wunderschöne Allgäu, dann über die Schwäbische Alb, und ab dem Kochertal auf der B19 bis Würzburg. Ich mag zwar keine Bundesstraßen, aber die B19 ist wirklich schön zu fahren, und an Sonntagen auch Lkw-frei.
Hat da noch irgendwas gefehlt? Ja - noch schöner wäre es, so etwas mal zu dritt machen zu können. Aber daran arbeite ich - mehr demnächst auf dieser kleinen Seite!