07.08.2022

Männerwochenende

Die Frau besucht eine Freundin, Vater und Sohn bleiben zu Hause. Logisch, dass an einem solchen Wochenende auch eine Motorradtour auf dem Plan steht. Diesmal mit der Enfield, die dieses Jahr noch nicht oft zum Einsatz gekommen ist. Zu den angepeilten "mindestens 1.000 Kilometern" fehlt noch ein bisschen. 
Aber das beste am Motorradfahren ist doch immer noch das Eis! 

01.08.2022

Brüdertour de France - die Rückfahrt

 

Von Moustiers-Sainte-Marie aus ging auf unserer Tour wieder Richtung Norden. Aber auch hier, in der Provence, gibt es noch jede Menge Pässe. Manche sind zwar nur knapp 900 Meter hoch, das schmälert den Fahrspaß aber keineswegs. Und wenn von den nahen Lavendelfeldern Geruchswolken herüberwabern und Bauer Jaques‘ Natursteinhof von nahen Hügelrücken herübergrüßt, dann versteht man schon den legendären Ruf dieser Gegend. Nicht so schön hingegen: das Rhonetal. Wobei: Das moderne Frankreich mit seinen TGV-Strecken und Atomkraftwerken hat schon auch seinen Reiz. Trotzdem bogen wir bald ab in Richtung Ardechetal, das nicht viel weniger eindrucksvoll ist als das des Verdon. Und mit dem Pont d’Arc zudem einen absoluten Blickfang zu bieten hat.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass man in Frankreich ziemlich gut Motorradfahren kann? Die Aussichtsstrecke oberhalb der Ardeche war eine echte Rennstrecke: neuer Asphalt wie ein schwarzer Teppich, der direkt für uns ausgerollt worden zu sein schien, kein Verkehr – die ganz große Portion Fahrspaß. Bei anderen Strecken fragt man sich, für wen die wohl gebaut wurden: 20 Kilometer engste Kurven mitten durch den Wald, ohne dass irgendwo ein Haus links oder rechts steht. Vielleicht existieren diese Strecken wirklich nur für uns Motorradfahrer?
 
Plötzlich in einer anderen Welt
Aber es geht auch anders: Am Oberlauf teilt sich die Ardeche ihr Tal mit der Nationalstraße N 102, und auch, wenn die Strecke landschaftlich schön ist – irgendwo müssen die Lkws ja fahren.
Das Tal steigt kontinuierlich und ziemlich steil an, irgendwann überquerten wir die junge Ardeche auf einer kurzen Brücke – und waren plötzlich in einer anderen Welt. Gerade noch im warmen, mediterranen Frankreich, begann nun die Hochfläche des Zentralmassivs. Nun sah man plötzlich sattgrüne Wiesen und Nadelwälder wie im Schwarzwald. Die Straße stieg bis auf über 1.300 Meter, es war plötzlich wieder wunderbar kühl. Die letzten der insgesamt 377 Kilometer bis zum Etappenziel Le Puy-en-Velay rollten wir dahin – entspannt, würde ich gern sagen, aber das waren wir nach vier Tagen und rund 1.600 Kilometern wirklich nicht mehr.
Le Puy empfing uns auf den ersten Blick wenig gastlich. In der eigentlichen Stadt hatten wir kein Hotelzimmer bekommen und mussten in ein Vertreterhotel im Vorort ausweichen – zwischen Supermärkten und Autobahnen. Auch die Altstadt selbst machte zuerst einen langweiligen Eindruck, doch je tiefer wir eintauchten, desto schöner wurde es. Wir fanden ein bezahlbares Restaurant auf einem Platz im Zentrum, und die Stimmung besserte sich mit jedem Schluck und jedem Bissen. Irgendwann hörten wir Musik und beschlossen, ihr zu folgen – und stießen auf einen großen Park, in dem gerade ein ziemlich gutes Livekonzert lief. Die Musik, die warme Luft, die vielen schönen Menschen – wir waren wie geflasht. Was für eine Stimmung, was für ein Ort, was für ein Tag – das muss es sein, das Leben am Existenzmaximum!
 
Weiter, immer weiter
Doch auch der Aufenthalt in Le Puy hatte ein Ende – wir mussten weiter, immer weiter! Der folgende Tag würde schon der letzte in Frankreich sein. Ziel: Nicht wieder Montbeliard, sondern das etwas nördlicher gelegene Belfort.
(Für mich) überraschend stießen wir kurz nach der Abfahrt in Le Puy auf die Loire, die ich eigentlich viel weiter nördlich vermutet hätte (sie entspringt aber tatsächlich im südlichen Zentralmassiv und fließt sehr lange gen Norden), und folgten ihrem romantischen Tal Richtung Roanne. Vom Rest der Strecke weiß ich nicht mehr viel – spektakulär war es nicht. In einigen Orten wurde der französische Nationalfeiertag mit Volksfesten gefeiert, Bauer Jaques brachte die Ernte ein, die Leute werkelten in ihren Gärten – Landleben eben. Aber dass die Strecke wieder sehr lang war (504 Kilometer am Ende), und dass es ziemlich heiß war, das weiß ich noch. Immerhin hatten wir mit dem Tal des Doubs am Ende noch ein paar schöne Kilometer, bevor wir erschöpft in Belfort einliefen.
Das Hotel tat erst einmal nichts, um unsere Stimmung zu heben. OK: Ibis Budget, das ist quasi Budget hoch zwei. Diese Hütte war aber dazu noch mindestens 20 Jahre alt, ohne jemals renoviert worden zu sein. Nicht einmal Bier gab es. Ein Alptraum – aber wenigstens ein kostengünstiger.
Doch kaum hatten wir das Stadtzentrum erreicht, ging es uns wieder gut. Auch Belfort ist eine Festungsstadt (der fleißige Herr Vauban war einfach überall) mit einem gut erhaltenen historischen Stadtkern, vielen Restaurants und diesem besonderen französischem Flair, das am Nationalfeiertag noch stärker zu spüren war. Irgendjemand hatte eine Box auf den Marktplatz gestellt, die Leute tanzten dazu, ringsum saßen wunderschöne Frauen Menschen in den Restaurants, über uns ragte die Festung mit ihrem markanten Löwen auf (Schöpfer: Bartholdi – der mit der Freiheitsstatue): der perfekte Abschluss einer Reise durch Frankreich.
 
Ganz schnell auf über 1.000 Höhenmeter
Aber nicht das Ende der Tour. Denn wir mussten ja noch nach Hause. Direkt nördlich von Belfort ragen bekanntlich die Vogesen auf, und die wollten wir unbedingt noch mitnehmen. Relativ schnell kommt man von Belfort nach Thann und von dort auf die Route des Cretes (Gipfelstraße), wo wir am frühen Morgen auf gut 1.000 Höhenmeter und im Schatten des Hauptkammes (die Strecke war ja früher ein militärischer Versorgungsweg und sollte vor direktem Beschuss von deutscher Seite geschützt sein) erbärmlich froren. Die Aussichten und manche Kurven waren trotzdem großartig, allerdings ist die Route des Cretes (wie ihr östliches Pendant, die Schwarzwaldhochstraße) mittlerweile durchgehend tempobeschränkt (auf 70 km/h).
Doch irgendwann (viel zu früh) endete auch diese Etappe, und nach einer kleineren Irrfahrt durch die Rheinebene waren wir wieder in Deutschland. Und auf der Autobahn. Ja, ganz ohne geht es eben doch nicht – die Bundesstraßen in der Rheinebene sind keine wirkliche Alternative. Während Michael sich Richtung Wendlingen verabschiedete, cruisten Tobias und ich am Ende noch durch den Odenwald und liefen nach 492 Kilometern wieder in Würzburg ein. Insgesamt kamen so an sechs Tagen (bei mir) 2.729 Kilometer zusammen. Und mindestens ebenso viele wunderbare Erinnerungen.




Die Schlucht der Ardeche

Pont D'Arc an der Ardeche

Le-Puy-en-Velay


Belfort



Anmerkungen

 
Essen in Frankreich
Fronkraisch, das Land der Haute Cuisine, wo noch der einfachste Mensch in verfeinerten Genüssen schwelgt und an jeder Straßenecke ein Sternerestaurant zu finden ist – das haben wir nicht gesehen. Im Gegenteil: In keinem Land, das ich bislang bereist habe, kann man so leicht verhungern wie in Frankreich. Echt jetzt!
Denn Langstrecken-Motorradtouren und die Suche nach Restaurants, das verträgt sich nicht miteinander. Denn letztere befinden sich meist in genau den größeren Städten, die man mit dem Bike weiträumig umfährt. Was es aber auch nicht gibt, ist das, was wir in Deutschland haben: ein dicht gespanntes Netz an Bäckereien, Dönerbuden, Schnellrestaurants und anderen Fast-Food-Anbietern, bei denen man sich billig und ungesund sättigen kann. In vielen Dörfern gibt es zwar noch die klassische Bar, aber oft sahen die nicht so wirklich einladend aus oder waren mittags sogar zu (und in dünn besiedelten Gegenden wie im Jura und dem Zentralmassiv fehlten sie ganz). An den Tankstellen gibt es ebenfalls nicht viel, meistens war die Bezahlbude gar nicht offen und wir tankten am Automaten.
Also blieben nur die Supermärkte zur Versorgung: Bisschen Käse und Baguette, ein Pain au Chocolat – das musste reichen. Reichte natürlich auch, sparte Zeit und Geld, aber trotzdem: Sich mittags gemütlich hinsetzen und etwas Warmes essen, das hat auch Charme. Gelang uns aber nur einmal in den Seealpen.
 
Fahren in Frankreich
Frankreich hat ja erst vor kurzem die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen von 90 auf 80 herabgesetzt. Aber gerade auf den gut ausgebauten Nationalstraßen ist es eine echte Strafe, strikt 80 zu fahren. Man kommt nicht voran, die Restkilometer auf dem Navi werden einfach nicht weniger. Natürlich haben die Behörden gerade dort eifrig stationäre Blitzer aufgestellt, und einmal haben sie mich auch erwischt (jedenfalls habe ich es einmal bemerkt. Die Blitzer in Frankreich blitzen übrigens weiß, nicht rot!).
Auf den Kurvenstraßen im Süden ist das egal, da fährt man sowieso nicht schneller als 80 (also ich jedenfalls nicht). Und auf den Nebenstrecken scheint auch die Kontrolldichte wesentlich geringer zu sein. Aber abseits der Autobahn fahren und trotzdem schnell vorankommen, das ist in Frankreich nicht mehr möglich.
Außerdem gibt es in Frankreich jede Mende Bekleidungsvorschriften für Motorradfahrer (Handschuhe mit ECE-Zeichen, irgendwelche Reflexstreifen am Helm und so weiter). All das hatte ich mit vorsorglich gekauft, aber es interessierte natürlich keinen.
Eine echte Wohltat ist das Verhalten der französischen Autofahrer gegenüber Motorradpiloten. SIE LASSEN EINEN FREIWILLIG VORBEI! So etwas würde ein Deutscher nie tun. Und sie fahren überwiegend defensiv, echte Raser gibt es wenige. Ein sehr schönes Fahren dort – wie Gott in Frankreich eben!

27.07.2022

Brüdertour de France

Muss denn alles immer größer werden? Geht es denn immer nur um „schneller, weiter, mehr“? Ja! Vor allem, wenn es sich um die alljährliche Brüdertour handelt, die sich längst zum absoluten Highlight meines Motorradjahrs entwickelt hat.
In diesem Jahr haben wir dafür von unseren Partnerinnen unglaubliche sechs Tage freibekommen, was erstmals eine richtige Reise möglich machte und uns den Blick richten ließ auf ein Revier, das zumindest wir zwei älteren Brüder noch nie per Motorrad erkundet hatten: Südfrankreich mit den Westalpen und der Provence.
Die Vorfreude war unglaublich, und auch jetzt, eine gute Woche nach der Rückkehr, kann ich es noch gar nicht so richtig glauben, dass ich wirklich den Col du Galibier, gefahren bin, auf dem Bonette stand und in die Verdonschlucht heruntergeschaut habe.

Das erste Stück Torte im Schwarzwald
Los ging es am Sonntag, Treffpunkt Schwarzwald. Mit dem ersten Stück Torte im „Café am Rathaus“ in Todtnau (großer Tipp, da müsst ihr unbedingt mal hin!) setzte das Urlaubsgefühl ein. Eigentlich war der erste Tag als reiner Anreisetag geplant; doch hatten wir mehr als genug Zeit, den Südschwarzwald so richtig zu genießen. Das Wetter war perfekt und blieb es auch für die gesamte Woche.
Kleine Überraschung nach dem Grenzübergang: Ungewöhnlicherweise war Frankreich zunächst hässlicher und langweiliger als Deutschland. So war das nicht ausgemacht! Aber OK, wir mussten durch die Burgundische Pforte, das Fulda Gap von Frankreich – eine flache und dicht besiedelte Landschaft. Mit 30 bis 50 km/h rollten wir durch riesige Dörfer mit sich kilometerweit hinziehenden Siedlungen beachtlich großer Einfamilienhäuser. Und schon ganz schnell wurde ich auf die französische Pest der Straßenschwellen aufmerksam, die den Verkehr auch wirklich auf 30 verlangsamen. Spoiler: Mindestens 1000 davon müssen wir auf der weiteren Reise überfahren haben.

Die Stadt hat ihre besten Jahre hinter sich
Erster Etappenort war Montbeliard, das in früheren Zeiten unter dem poetischen Namen Mömpelgard zu Württemberg gehört hatte. Heute viel bekannter ist der kleine Vorort Sochaux, Gründungsort und historische Firmenzentrale von Peugeot. Zum Besuch des sicherlich faszinierenden Firmenmuseums hatten wir leider keine Zeit, denn wir mussten uns nach der Ankunft erst einmal um Wichtigeres kümmern. Das Stiefelbier!
Natürlich konnte man selbiges im Hotel erstehen, nur die Preise ließen uns kurz trocken, nun ja, schlucken: Mit 7,50 Euro ist man in Frankreich für den halben Liter dabei – Ausreißer nach oben nicht ausgeschlossen.
Aber OK. Zum Sparen waren wir ja nicht in Frankreich. Und dass die Gastronomie ebenfalls teuer ist, das wusste ich schon aus meinem erst wenige Wochen zurückliegenden Familienurlaub auf Korsika. Pizza und Burger gibt’s für 15 Euro, alles richtige Essen kostet über 20. In Montbeliard kam die Schwierigkeit hinzu, dass die Stadt ihre besten Tage eindeutig hinter sich hat und es nur wenige geöffnete Restaurants gab. Essen wie Gott in Frankreich? Sicher nicht hier.

Die Tour de France überholen
Am ersten Tag standen 516 Kilometer mehr auf dem Tacho, wovon rund die Hälfte Autobahnkilometer waren. Am nächsten Tag galt es dann, eine ähnliche Strecke zurückzulegen. Denn getreu meinem Wahlspruch „Planung ersetzt Zufall durch Irrtum“ hatten wir vollkommen übersehen, dass sich zeitgleich mit uns eine erhebliche Anzahl Rennradfahrer samt deren Fans in den Alpen herumtreiben würden – die Alpenetappen der Tour de France fanden genau in der gleichen Woche statt wie unsere Brüdertour. Also galt es, die Route der Tour zu umgehen und die Tour im südlichen Teil der Westalpen fortzusetzen. Na ja, ein paar Pässe gibt es dort ja auch.
Als Etappenort wählten wir Briancon, direkt südlich des Col du Galibier, der als später Höhepunkt eines langen Fahrtages 2.642 Meter hoch vor uns aufragen würde.
Doch zuerst führte uns der Weg durch das wohl unbekannteste Gebirge Frankreichs: das Jura. Es zieht sich entlang der Grenze zur Schweiz von Belfort bis kurz vor Genf und ist dünn besiedelt und landwirtschaftlich geprägt. Abgesehen von den Flusstälern ist es auch keine spektakuläre Motorradgegend, aber mittlerweile sind mir langweilige, aber einsame Gegenden lieber als überlaufene Hotspots.
Zum Einrollen eignete sich das Jura jedenfalls bestens, und auch, um einen Blick auf das „tiefe Frankreich“ zu erhaschen (La France profonde), die ländliche Provinz, in der die Uhren langsamer ticken, Landwirtschaft und Handwerk den Alltag bestimmen und Bauer Jaques zum Mittag sein Gläschen Roten trinkt – oder so ähnlich.

100 Kilometer geradeaus geht auch in den Alpen
Am Lac du Bourget hatte uns die Zivilisation dann wieder, und ab Chambery blieb uns nichts anderes übrig, als rund 100 Kilometer geradeaus ein Flußtal hinauszufahren (die Isere, glaube ich), Tja, die Alpen, Baby – da geht’s auch mal geradeaus, wenn gerade kein Pass zur Hand ist. Der wartete mit dem Galibier auf uns: Tobias versicherte uns zwar glaubhaft, dass er da schon ganz allein hochgefahren ist – wir mussten uns den Pass aber mit einer Unzahl von Wohnmobilen teilen, deren Besitzer sich die besten Stellen für den Blick auf die Radrennfahrer zwei Tage später sichern wollten. Ein Rummel, das glaubt man kaum.
Doch mit gut 100 Newtonmetern reicht es eigentlich immer zum Überholen (hatte ich schon erwähnt, dass ich mit der Bonnie unterwegs war?) – Michael auf der NC 700 zeigte aber, dass man die auch nicht unbedingt braucht.
Beim Hereinrollen nach Briancon stellten wir mit Erschrecken fest, dass es kein Benzin an der Tankstelle gab (dafür immerhin Bier) – und mit Entzücken, das Briancon eine wunderschöne Stadt ist. Eine Festung umschließt eine Altstadt mit ganz vielen mittelalterlichen Häusern in schmalen Gassen, durch die kaum ein Auto passt. Ich fühlte mich an Bonifacio auf Korsika erinnert. Pizza, Burger, Bier – und dann ab ins Bett: Nach 498 Kilometern französischer Landstraße wird man abends nicht alt.

Die Route des Grandes Alpes von ihrer besten Seite
Und am nächsten Tag war ja wieder Motorradfahren angesagt. Die alten Säcke (also wir) merkten die Belastung für Knie, Hinterteil und Rücken schon nach diesen zwei langen Tagen – und vier weitere sollten noch folgen. Deshalb am Dienstag vielleicht mal etwas weniger Kilometer? Klar! Das nächste Ziel – die Verdonschlucht – lag auf der gewählten Route gerade einmal rund 350 Kilometer entfernt. Ein Kinderspiel! (Nicht.)
Gleich morgens bei wunderbar frischen Temperaturen stand die Route des Grandes Alpes auf dem Programm: Col D’Izoard (2.360 Meter), Col de Vars (2.109 m), Col de la Cayolle (2.326 m) und Col de Valberg (1.673 m) folgten aufeinander, mit dem Col de Vars als fahrerischem Klimax. Und irgendwo muss auch der Bonette gewesen sein, mit 2.802 Metern der geografische Höhepunkt der Tour und der gesamten alpinen (Durchgangs-)Straßenwelt. Hätten wir das also auch abgehakt.
In den tieferen Lagen der Seealpen wurde das Fahren noch einmal anspruchsvoller. Was für ein unfassbares Kurvenkarussell! Leider setzt bereits das Vergessen darüber ein, welche Route wir gefahren sind. Der Fluch des Navifahrens, das aber sonst nur Vorteile hat. Die einzige Spur ist eine Bistro-Rechnung aus dem Ort Beuil, also sind wir wohl nach dem Bonette dem Tal des Tinée gefolgt.

Vollständige Abwesenheit von Geraden
Von Beuil aus hielten wir uns direkt Richtung Westen, wo wir noch ein Gebiet mit unglaublich intensiv dunkelrot gefärbten Felsen kreuzten, und erreichten schließlich die Schlucht des Verdon – Europas angeblich tiefsten Canyon. Ob das nun stimmt oder nicht (es gibt anscheinend noch etwas größeres in Montenegro, da müsste man eigentlich auch mal hin): es war ein majestätischer Anblick. Dass die Aussichtsstraße sich erneut durch die vollständige Abwesenheit von Geraden auszeichnete, war natürlich klar. Und so stellten auch die insgesamt 342 Kilometer des dritten Fahrtages eine absolut ausreichende Etappenlänge dar.
Nicht gefasst waren auf die überwältigende Schönheit unseres dritten Etappenziels. Moustiers-Sainte-Marie – wer das schon mal gehört hat, darf sich das Klugscheißer-Bienchen in Gold abholen. Eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“, und das mit Recht. Der Ort war an einen Berghang gebaut und wurde von zwei Felstürmen überragt, zwischen denen ein kleiner Fluss hervortrat, der sich in Kaskaden durch den gesamten Ort stürzte. Ein Platz wie gebaut als Set für eine teure Hollywood-Mittelalterserie. Zwischen den Felstürmen war ein Seil gespannt, an dem ein goldener Stern hing, den die Sonne den ganzen Abend über anstrahlte – Kitsch, klar, aber SO SCHÖN! Wir aßen auf einer Terasse in der Schlucht, schlenderten danach bis spät in die Nacht durch den Ort und tranken ein teures Bier nach dem anderen. Vive la France.
Tja, der Abend in Moustiers markierte schon die Halbzeit der Tour. Über die Rückfahrt berichte ich in den nächsten Tagen auf dieser kleinen Seite
.

 

 

Moustiers-Sainte-Marie

Moustiers-Sainte-Marie

Moustiers-Sainte-Marie

Verdon-Schlucht



Col de la Bonette



Col d'Izoard

Briancon

Briancon

Briancon






Jura

Jura

Montbeliard

Montbeliard




07.07.2022

Äußere Werte

Kann es sein, dass ich meine Reifen vor allem nach dem Aussehen auswähle? Also, bei der Enfield war das auf jeden Fall so. Den Ceat-Stollenreifen hatte ich bei der Enfield-Ausfahrt im Frühjahr auf einer anderen Bullet gesehen und fand ihn toll. Nach der ersten längeren Fahrt kann ich sagen: die Haftung auf trockener Straße ist OK - wie es auf Nässe aussieht, muss man sehen. Bei höheren Geschwindigkeiten merkt man das raue Abrollen. Das geht aber im Vibrieren des Motors unter. Irgendwie der passende Pneu für die Inderin.

29.06.2022

Schon wieder Werkstatt

Wenn es ein Motorrad gibt, das optisch und konzeptionell perfekt zwischen die Bonnie und die Enfield in meine Garage passt, dann ist es wohl die Royal Enfield Interceptor. 650er Paralleltwin, 48 PS, perfektes englisches Design - wie für mich gemacht. Tja, und heute habe ich sie...
... beim Händler als Ersatzmaschine bekommen. Denn kurz nach der Triumph musste nun die Bullet in die Werkstatt. Und auch bei ihr müssen die Reifen runter - blöd, so wird es ein ganz schön teures Motorradfrühjahr, und das fast ohne Fahrleistung. Na ja, wer seine Motorräder liebt...

26.06.2022

Es ist soweit: mein erster Klapphelm

Seit Jahren schon schaue ich ohne großen Enthusiasmus nach einem neuen Integralhelm. Mein Arai ist ja locker zehn Jahre alt (wahrscheinlich mehr, ich erinnere mich nicht genau...). Allerdings waren die Modelle, die mir gefallen haben, immer viel zu teuer. 
Und dann passierte es: In der "Motorrad" sah ich eine Produktmeldung zum HJC V 90, einem Klapphelm im ziemlich gelungenen Retrodesign. Für nur gut 300 Euro Listenpreis - die Hälfte von dem, was ein schicker Arai oder Shoei kostet. Ich bin ja eigentlich ein extrem widerwilliger Käufer, aber hier ging einmal alles ganz schnell. 
Jetzt ist er da. Soll ich ihn auf der kommenden Frankreich-Tour aufsetzen? Zu den Temperaturen dort passt der Jethelm sicher besser, aber die Sicherheit...
Mal sehen, für welchen Helm sich die Brüder entscheiden. 

22.06.2022

Neue Reifen auf der Triumph

Schon jetzt ein neuer Reifen auf der Bonnie, und das bei gerade mal gut 3.500 Kilometern? Ja, denn etwas großes steht bevor, das ich nun endlich mal verraten will. Die Brüdertour 2022 wird die bislang längste: Sechs Tage lang wollen wir ab Mitte Juli die französischen Westalpen befahren. Dort war ich noch nie mit dem Motorrad, und die Vorfreude ist riesig. 
Dem Originalreifen habe ich die lange Strecke nicht  mehr zugetraut. Der Vorderreifen war schon mindestens zur Hälfte runter, und bei dem rauen französischen Asphalt hätte ich wahrscheinlich irgendwo in den Alpen die Karkasse gesehen. 
Jetzt bin ich gespannt, wie sich der viel modernere Metzeler Roadtec auf der Bonnie fährt. Optisch steht er ihr schon mal gut, finde ich. Die Originalreifen habe ich übrigens aufgehoben und werde sie später wieder montieren. Für eine halbe Saison sind sie allemal noch gut.