11.09.2021

Zu Kathi gefahren

Nachtrag für's Logbuch: Letztes Wochenende machten wir uns zum ersten Mal seit Jahren wieder auf den Weg zum bekannten fränkischen Motorradtreff Kathi-Bräu. Das ist ein uriger Brauereigasthof in der Fränkischen Schweiz, wo sich an schönen Tagen gerne ein paar Hundert Fahrerinnen und Fahrer treffen. 
Trotz immerhin 280 Kilometern an diesem Tag ist meine Fahrleistung im Jahr 2021 weiter äußerst dürftig - trotz neuem Motorrad. Ich steuere auf einen Negativrekord zu. Mit der Bonnie bin ich noch keine 2.000 Kilometer gefahren. Hoffentlich geht da im Herbst noch was.

20.08.2021

Bezaubernder Flecken

Erinnert ihr euch noch an diesen alten Werbespot, der so begann: "Deutschland ist schön!" Das denke ich auch immer wieder auf meinen Touren - so wie heute, als ich zusammen mit der Familie südwärts in Richtung Tauber- und Jagsttal vorstieß. Das Foto entstand in Hessenau, einem wahrlich bezaubernden Flecken im Jagsttal. Eine wunderbare kleine Motorradrunde war das. Morgen geht es dann in den Schwarzwald - allerdings mit dem Auto. Mal sehen, was motorradtechnisch in diesem Jahr noch geht. 

12.08.2021

Kleine Maschinen auf großer Tour

Es gibt da eine gewisse MZ, die ist schon ziemlich viel herumgekommen. Aber in den Alpen war sie noch nicht. Und da das auch für ihren Besitzer galt, stand das Ziel der diesjährigen Brüdertour schon ziemlich zeitig fest. Im Laufe der Verhandlungen kristallisierte sich der Gardasee als Fluchtpunkt heraus - war das nicht das erste Sehnsuchtsziel für viele (West)-Deutsche nach dem Krieg, als sie mit ihren untermotorisierten Zwei- und Viertaktern über die Alpen krochen, um nach dem anstrengenden Alltag in der Kohlegrube endlich einmal die Sonne zu sehen? 

So ähnlich fühlten wir uns auch, als wir die Fahrt planten - na OK, vielleicht ohne die Kohlegrube. Aber da Michael unbedingt mit der MZ fahren wollte, stand für mich fest, dass es die Enfield sein musste, die ja immerhin schon alpenerfahren ist. Und Tobias hatte sich, schon nachdem auch nur zarte Andeutungen auf eine eventuelle Fernreise mit MZ und Enfield gefallen waren, direkt eine Honda XBR 500 gekauft (natürlich auf 27 PS gedrosselt, damit er uns nicht heillos davonfährt).

Einmal 19 und zweimal 27 PS gegen die 2.509 Meter des Timmelsjoches - ob das gut geht? Auch die Strecke zum Gardasee sollte man nicht unterschätzen, vor allem im Getümmel des italienischen Ferragosto-Urlauberverkehrs. Aber wir wollten es ja nicht anders, und so starteten wir am vergangenen Freitag frohgemut ins Abenteuer Alpen.

 Klein, aber zeimlich laut

Ich war kaum am Treffpunkt Wolfegg angekommen, da hörte ich schon eine sehr markante Soundmischung: das unverkennbare tiefe Bollern der XBR, mit hellem Zweitaktgesang im Abgang. So richtig leise sind die beiden Kleinen wirklich nicht, dachte ich bei mir - werden wir im lärmallergischen Tirol mit seiner 95-dB(A)-Regelung wohl mit Steinen beworfen? Achtung Spoiler: Niemand hat sich dafür interessiert.

Nach der ersten Übernachtung in der Nähe von Immenstadt ging es über das Oberjoch hinüber nach Österreich, mit dem Hahntennjoch als erstem fahrerischen und topografischen Höhepunkt. Und ganz schnell merkten wir, dass nicht die 19 PS der limitierende Faktor für unsere Reisegeschwindigkeit waren, sondern der unglaublich dichte Verkehr. Klar: ein Samstag im August - was haben wir erwartet. Aber die kleinen Maschinen sorgten schnell dafür, dass wir uns mit der Situation zufriedengaben und gemütlich in der Kolonne mitrollten.

Natürlich schafften es alle drei Einzylinder locker über das Hahntennjoch, und so freuten wir uns umso mehr auf das Timmelsjoch und den Wechsel nach Italien. Schon von unten sahen wir, dass die Passhöhe in Wolken lag. Je weiter die kleinen Maschinen nach oben stampften, umso grauer, dunkler und kälter wurde es. Zusammen mit der kargen Hochgebirgslandschaft ergab das ein spektakuläres Bild - jedenfalls, so lange wir etwas sehen konnten. Denn bei zehn Metern Sichtweite war es mit der Gemütlichkeit vorbei. Immerhin regnete oder schneite es nicht (wie ein paar Tage zuvor am Stilfser Joch). 

 Den Gardasee muss man auch erst einmal finden

Auch diesen Zweieinhalbtausender marschierte die MZ unbeirrt nach oben, während sich ihre dünne blaue Abgasfahne mit dem Nebel mischte - ein tolles Erlebnis. Nicht ganz so toll war hingegen das, was wir am Fuße des Passes auf italienischer Seite sehen mussten: ein schwerer Motorradunfall. Und kaum waren die Rettungswagen abgefahren, da bretterten die ersten Unbelehrbaren los: munter mit Vollgas in den Gegenverkehr zum Überholen - als hätte nicht gerade einer von uns Motorradfahrern mit dem Tode gerungen. Unglaubliche Idioten.

Auch wir erlebten noch das eine oder andere Abenteuer. Irgendwie schafften wir es TROTZ Navi und Karte, in Meran den richtigen Abzweig zum Gampenpass nicht zu finden. Nach endloser Sucherei gelangten wir dann auf eine Route, die auf meiner groben Karte nicht einmal eingezeichnet war, aber endlich einmal autofrei und wunderbar zu fahren. So schafften wir es bis Molveno, etwa 40 Kilometer vor unserem Ziel Riva del Garda, und konnten die ersehnte abendliche Pizza fast schon riechen, als uns ein Polizist den Weg versperrte. "Nach Riva gesperrt, Loch in Straße" - nee, echt jetzt? Im Hochgebirge ist das mit Umleitungen ja so eine Sache. Zurück nach Mezzolombardo und dann über Trento zum See ergaben locker 60 Extra-Kilometer, die den Zähler auf gut 450 Kilometer Tagestrecke hochschraubten. Kein Spaziergang, aber zum Fahren waren wir ja da.

 In jeder Kurve alles geben

Doch der nächste Tag sollte diese Strecke noch toppen. Vom See weg klappte alles wie am Schnürchen: Praktisch ohne Pause rollten wir durch das Ledrotal und dann über Tione und Madonna di Campiglio wieder in Richtung Meran - diesmal wirklich über den Gampenpass, der eine faszinierende Aussicht bot und dazu noch die ersehnte freie Fahrt für unsere drei Leistungsmonster. Es macht tatsächlich einen Heidenspaß, mit solch sparsam motorisierten Kisten unterwegs zu sein und nach jeder Kurve alles geben zu müssen - ohne jemals wirklich zu schnell zu sein. Sogar das Überholen klappte manchmal, wenn auch mit geschlossenen Augen und dem einen oder anderen Stoßgebet. 

Von Meran zum Reschenpass quälten wir uns dann wieder im Kolonnenverkehr. Auf Wiederrsehen, Italien! Und Österreich zeigte uns gleich, warum menschliches Leben nördlich des Alpenhauptkamms eigentlich unmöglich ist: Mit jedem Meter den Arlberg hinauf wurde es wieder kälter und nasser. Oben auf der Passhöhe steckten wir in einer dicken Wolkensuppe, die uns noch bis in den Bregenzer Wald begleitete. Doch das Ziel Ravensburg erreichten wir trocken, und zwar nach 515 Kilometern Fahrtstrecke und genau zehn Stunden. Kein schlechter Schnitt mit einmal 19 und zweimal 27 PS in den Alpen, finde ich.

Am letzten Tag der Reise bummelten wir noch zusammen durch Oberschwaben und über die Schwäbische Alb, bis sich westlich von Ulm unsere Wege trennten. Auf der letzten Etappe der Tour führte mich mein antiker Tomtom wieder einmal zielsicher auf einsamen und kurvenreichen Straßen durch wunderschöne Landschaften, und ich konnte die diesjährige Brüdertour perfekt ausklingen lassen. Es war die bislang beste.

Nicht unerwähnt lassen will ich, dass die Enfield trotz erheblichem Vollgasanteil auf den gut 1.650 Kilometern im Durchschnitt nur knapp 2,9 Liter auf 100 Kilometern verbraucht hat. Billiger kann man nicht Motorrad fahren. 

Aber trotzdem: Bei der Brüdertour 2022 dürfen es dann doch wieder ein paar PS mehr sein.

Drei schwarze Einzylinder im Allgäu.

Der erste richtige Pass: das Hahntennjoch.

Am Timmelsjoch war es kalt und trüb, aber trotzdem schön.

Die Wolken begleiteten uns durch Italien, aber es blieb trocken.

Geschafft! Die erste MZ am Gardasee (na ja, möglicherweise).

Etwas kleiner, aber ebenfalls schön: der Lago di Ledro.

Auch Deutschland hat schöne Ecken zu bieten - hier irgendwo auf der Schwäbischen Alb.


06.07.2021

Aber die Natur braucht's!

Schon seit Wochen warte ich auf einen trockenen Tag, um endlich einmal wieder Überstunden in Motorradzeit umwandeln zu können. Aber irgendwie regnet es doch jeden Tag. Und dann alle so: "Aber die Natur braucht's!" 
Und was ist mit meiner Natur? Ich brauche es auch! Das Motorradfahren! Also heute los Richtung Fränkische Schweiz, und es kam, was kommen musste: ein ganz schwerer Niederschlag. Aber egal: Hauptsache mal wieder gefahren. 

20.06.2021

Raus

27 Grad in der Bude, im Fernsehen läuft nur Mist, Alkohol gibt's auch nicht, da morgen Impfung - also raus mit der Enfield auf die leeren Straßen. Manchmal kann es so einfach sein. 

13.06.2021

Ab auf die Waffelkuppe

Hessens höchster Berg bleibt auch 2021 weit oben auf unserer Liste der schönsten Motorrad-Tourenziele. Die Fahrt heute bei bestem Frühlingswetter war einfach berauschend, und oben auf dem Gipfel wartete auf den Sozius dann der Gipfel der Genüsse: frische Waffel am Stiel mit gaaanz viel Schokosoße. So hatten wir beide was davon. 

09.06.2021

Bonneville: Eine Bildergeschichte

Die Vorgängerin

Langjährige Ras-mussen-Leser wissen es vielleicht: Die aktuelle Bonneville ist nicht meine erste Triumph. Vor ziemlich genau 15 Jahren kaufte ich mir das luftgekühlte Vorgängermodell, genauer gesagt die Variante Thruxton. Das war natürlich ebenfalls ein sehr schönes Motorrad, aber der Motor konnte mit der Optik nicht mithalten. Drehmoment, Leistung und Sound bewegten sich auf dem Niveau eines ausgelutschten 600er Japan-Vierzylinders. Deshalb hielt sich die Thruxton damals nicht lange in meinem Fuhrpark.


Die neue Bonneville

Bei der Entwicklung der Nachfolgerin hat Triumph alles richtig gemacht. Der 1.200er Motor hat zwar mit alter England-Herrlichkeit (Gleichlauf, Langhub, Luftkühlung) nichts mehr am Hut, ist aber für sich betrachtet einer der besten Motorradmotoren überhaupt. In der leistungsreduzierten und lang übersetzten Bonneville-Variante (HT für High Torque, obwohl das Drehmoment natürlich nicht wirklich größer ist als bei der HP-Version für Speed Twin und Thruxton) treibt er das Bike wunderbar lässig voran und hat trotzdem jederzeit genug Power zum Überholen. Sparsam ist er auch. Die Reaktion aufs Gasgeben ist wunderbar smooth, Kupplung und Getriebe lassen sich leicht bedienen. Da gibt es einfach gar nichts zu meckern. 

Das Fahrwerk ist betont komfortabel, hat aber genug Dämpfung, um nicht haltlos durch die Gegend zu gautschen (im Soziusbetrieb kommt es aber an seine Grenzen). Mit 236 Kilogramm ist die Bonnie kein Leichtgewicht, und das merkt man beim Handling auch. Ich nenne es mal "Sportcruisen". Die Beweglichkeit ist dabei nicht das größte Problem, eher die unerwartet geringe Schräglagenfreiheit. Erster Materialabtrag ist nämlich schon festzustellen:

Wobei festzuhalten ist, dass ich auf dieser Tour vor meinem jüngsten Bruder auf seiner Ducati Monster herfahren "musste". 

Das richtige Motorrad für meinen Zweck

Triumph bietet die Bonneville ja in einer kaum überschaubaren Variantenvielfalt an. Für eine Fahrweise wie oben beschrieben würde sich sich natürlich die sportlichere Speed Twin besser eignen, die einen stärkeren Motor und ein deutlich knackigeres Fahrwerk besitzt. Warum habe ich mich trotzdem für die "normale" Bonnie entschieden? Nun, sie ist einfach praktischer, das heißt sozius- und gepäcktauglicher als die Speed Twin. Einen Hauptständer besitzt sie auch. Und ich glaube (ohne es verglichen zu haben), dass mir auch die klassische Sitzposition besser taugt. Mit der etwas schwülstigen Komfortsitzbank dürfte sie ein sehr passables Reisemotorrad abgeben:

Und für die schönen Tage habe ich ja auch noch die elegante Originalsitzbank, die sich auf der ersten 350-Kilometer-Tour ebenfalls als ausreichend bequem herausgestellt hat:

Gibt es denn gar keine Nachteile?

Nun, das Problem der mangelnden Schräglagenfreiheit habe ich ja schon angesprochen. Das Fahrwerk höherzulegen geht natürlich nur mit erheblichem finanziellem Aufwand. Bei Wilbers etwa gibt es zehn Millimeter längere Federbeine für die Bonnie - aber ob die viel bringen? Wahrscheinlich muss ich einfach damit leben.

Optisch hingegen besteht überhaupt kein Handlungsbedarf, finde ich. Klar, es gibt auch kleinere Blinker, aber die serienmäßigen sind meiner Meinung nach stimmig und passen gut zur Linie - ebenso wie die Spiegel. Einen etwas breiteren Lenker könnte ich mir allerdings gut vorstellen.

Die erste Zubehör-Anschaffung war aber der Gepäckträger von Hepco-Becker. Er passt gut zur Linie und lässt sich vor allem auch mit der dicken King&Queen-Sitzbank kombinieren. Das geht beim Original-Triumph-Träger nicht (!). Die Passgenauigkeit war zwar nicht bei 100 Prozent, aber wer weiß schon, ob das am Träger oder am Motorrad liegt. Und so vergesse ich wenigstens nicht, wo die Feile liegt...

Erste Erfahrungen

Am letzten Freitag ging es mit dem Sohn auf eine erste Rundtour mit Pause bei einem amerikanischen Traditionsrestaurant.


Und heute schließlich die erste richtige Tour zusammen mit Tobias, der mal wieder seine Brüder im Westen besucht. Welche Maschine ist hier wohl klassischer: Die fast 30 Jahre lang im wesentlichen unverändert gebaute Ducati Monster oder die neuentwickelte Retro-Triumph?


Als nächste Aufgabe steht Mitte Juni die Einfahr-Inspektion an. Und danach komme ich hoffentlich noch viel zum Fahren.