10.08.2019

Mille Guzzi

Da findet eines der größten Moto-Guzzi-Treffen in Deutschland direkt vor unserer Haustür statt, und ich wusste es nicht! In Collenberg am Main treffen sich an diesem Wochenende locker 1000 Guzzisti, und da ich nun doch endlich davon erfahren hatte, musste ich mir das Fest natürlich anschauen. Ein Wahnsinn! Allein die schiere Zahl, aber auch die Vielfalt der Maschinen war beeindruckend. Besonders gefreut hat mich, eine V 50 zu sehen - meine erste und einzige Guzzi bisher. Und die nagelneue V 85 TT war schon erstaunlich oft zu sehen. Tolles Treffen!

09.08.2019

Wenn der Motorradgott lächelt

Eigentlich bin ich ja alles andere als religiös, aber an einem solchen Tag ertappe ich mich doch immer wieder dabei, den Namen der Herrn im Munde zu führen. Gottseidank konnte ich heute einen Tag frei nehmen und Motorrad fahren. Rund 340 Kilometer durch die Fränkische Schweiz und die Hassberge, und das beim besten möglichen Motorradwetter: lieber Gott - ein Traum! 

26.07.2019

Ich hatte nur keine Lust

Keine Angst, ich lebe noch. Und die Honda sammelt sogar fleißig Kilometer. Eigentlich hätte ich einiges zu berichten gehabt in den letzten Wochen, aber irgendwie fehlte es mir an Lust. Auch heute bringe ich nicht genügend Eifer auf für eine umfassende Berichterstattung beispielsweise über die Motorradtour meines Arbeitgebers, die uns letztes Wochenende in die Südostecke Bayerns führte. War ganz nett dort, das Wetter passte, und mit der Rossfeld-Panoramastraße sind wir auch die womöglich schönste Alpenstraße Deutschlands gefahren. Rund 15 Kilometer Kurven, feinster Asphalt und ein paar wirklich spektakuläre Ausblicke.
Außerdem habe ich vor kurzem ein wirklich spannendes Motorradziel kennengelernt, wenn auch vom Auto aus: Kroatien. Wir verbrachten dort (genauer gesagt: auf der Insel Krk) unseren Familienurlaub, und ich war sehr angetan von der Landschaft, der Straßenführung und der geringen Verkehrsdichte im Hinterland der Adriaküste. Wäre schön, dort mal Motorrad zu fahren.

04.06.2019

270er sind falsche Fuffziger


Wie der Zufall es wollte, konnte ich keine zwei Wochen nach der Kawasaki W 800 (siehe unten) nun auch die zweite neue 48-PS-Retromaschine auf dem Markt probefahren, die Royal Enfield Continental GT 650. Kann man die eigentlich retro nennen? Eher nicht, schließlich ist sie das modernste Motorrad, das Royal Enfield je gebaut hat. Der Reihentwin ist zwar luftgekühlt, aber kurzhubig ausgelegt und hat eine Kurbelwelle mit 270 Grad Hubzapfenversatz - so wie eigentlich jeder moderne Zweizylinder. Und so fährt er sich dann auch. Ich muss sagen, ich hätte etwas mehr Bums erwartet. Das Anfahrdrehmoment ist mager, man muss drehen, aber auch dann wirkt sie wegen ihrer langen Übersetzung nicht wirklich spritzig. OK, das gute Stück war nagelneu, ich habe es natürlich bei Halbgas und maximal 5.000 Umdrehungen belassen.
Insgesamt glaube ich übrigens, dass der Effekt der "falschen" Kurbelwellenkröpfung auf das Laufverhalten überschätzt wird. Trotz des identischen Zündabstands fühlt sich ein V2 ganz anders an. Und damit meine ich jetzt nicht nur archaische Konzepte wie den Ducati-Motor, sondern beispielsweise  auch den eigentlich braven 52-Grad-V meiner Honda Transalp. Da hört und spürt man das wilde Beben, während die meisten 270-Grad-Reihenmotoren nur beim Anfahren so etwas wie ein Bollern zusammenkriegen. Bei höheren Drehzahlen klingen sie dann wie ein halber Automotor.
Aber egal, es war ein schöner Tag, die Conti 650 sieht klasse aus, die Linie ist toll, die Proportionen stimmen, und auch die Detailverarbeitung kann sich wirklich sehen lassen. Für 6.600 Euro Grundpreis ist sie im Retrosegment (auch wenn sie nicht retro ist) ein echtes Schnäppchen. Ich würde aber die Interceptor währen, die hat einen Rohrlenker und kostet noch ein paar Hunderter weniger. Irritiert hat mich nur, dass sie mehrmals das Standgas nicht halten konnte, sondern beim Gaswegnehmen ausging. Nach einer kurzen Pause mit Schlüsselabziehen war das Phänomen dann wieder verschwunden.

30.05.2019

Felsenland

Die Fränkische Schweiz ist einer der schönsten Regionen Deutschlands, jedenfalls nach meiner unmaßgeblichen Meinung. Schade, dass sie von Würzburg aus fast zu weit weg ist für eine Tagestour. Aber heute, am Feiertag, haben wir uns die Zeit genommen und sind zum ersten Mal seit Jahren wieder hingefahren. Auch wenn die Straßen ziemlich voll waren, war es ein wunderbarer Tag. 

28.05.2019

Holla die Wildsau


Die Motorradtour vom letzten Freitag hätte glatt meine letzte sein können. Springt mir doch im Pfälzer Wald eine kapitale Wildsau direkt vor`s Bike! Nur gut, dass die Reflexe funktionierten und ich gerade noch bremsen konnte. Trotzdem: Eine Sekunde früher an der gleichen Stelle, und das Viech wäre mir glatt in die Seite gekracht. Bremsen konnte sie auf dem steilen Hang rechts neben der Straße nämlich nicht mehr.
Auf dem Video sieht es natürlich nicht halb so spektakulär aus, wie es sich in Echtzeit anfühlte. Und ich fuhr ja auch weiter, als wäre nichts passiert. Aber ich kann euch sagen: In dem Moment hatte ich echt Schiss und wollte nur weg. Hätte ich angehalten, hätte das Tier vielleicht auf Angriff geschaltet, zumal es zwei Frischlinge dabei hatte.
Aber genug davon. Ihr stellt euch sicherlich schon längst mehrere Fragen: Was macht der Typ an einem Freitag im Pfälzer Wald? Was fährt er da für ein Motorrad? Und warum zur Hölle wird er dabei gefilmt? (An dieser Stelle herzlichen Dank an Youtuber Slaty für das tolle Video). Tja, die Firma Kawasaki hatte einige Blogger, Vlogger und Influencer sowie Journalisten nach Speyer eingeladen, neue Modelle zu testen. Ein angenehmer Tagestermin bei bestem Motorradwetter, der für mich mit einer knapp dreistündigen Anreise auf der Enfield schon adäquat begann.
In Speyer fasste ich dann sogleich die neu aufgelegte W 800 aus, das Retromotorrad von Kawasaki mit dem Königswellen-Zweizylinder. Die gab es ja schon vor ein paar Jahren, bevor sie mit der Euro-4-Einführung aus dem Programm verschwand. Mittlerweile ist den Kawa-Leuten wohl klar geworden, dass das keine gute Idee war.

Kawasaki W 800 Street (links) und Café.

Um 2012 herum war ich die W 800 schon mal gefahren, und damals enttäuschte sie mich wegen des lahmen Motors und des nicht vorhandenen Sounds. Beides ist beim neuen Modell anders: Die Maschine fühlt sich wesentlich spritziger und weniger zugestopft an als früher, und der pulsierende, kräftige Sound des Reihentwins geht richtig ans Herz. Dummerweise hat Kawa die W mit einem weit nach hinten gekröpften Lenker und einer betont niedrigen Sitzbank sehr stark auf kleine Fahrer und Fahrerinnen zugeschnitten - ich konnte kaum auf dem Ding sitzen. Besser passte es auf der Café-Racer-Variante mit M-Lenker. Insgesamt ist die W 800 ein eher gemütlicher Vertreter, das Fahrwerk schaukelt und die Schräglagenfreiheit ist schnell aufgebraucht. Trotzdem ein feines Gerät, vor allem wegen des eigenständigen Motorkonzepts mit langem Hub und 360 Grad Hubzapfenversatz.
Ganz anders fühlte sich die Z 400 an, die ich ebenfalls kurz fahren konnte. Noch viel kleiner als die W, aber ein klasse Fahrwerk und ein animierender Motor (400 Kubik, 33 kW/45 PS). Mit dem Ding kann man auf kleinen Straßen echt Spaß haben. Spaß hatte ich dann auch auf der Rückfahrt mit der Enfield, im Licht der sinkenden Sonne durch die günen Hügel des Odenwalds - ein Traum! Insgesamt dürften rund 500 Kilometer zusammengekommen sein. Ein perfekter Tag - auch wenn ich einmal richtig Schwein hatte.

13.05.2019

Eine Weltpremiere






Es gibt Ereignisse, von denen zehre ich ein ganzes Jahr lang: Ein halbes Jahr dauert die Vorfreude, und danach lächle noch monatelang enrückt bei jeder Erinnerung daran. So ein Ereignis ist die jährliche Motorradtour mit meinen Brüdern, die in diesem erstmals als richtige mehrtägige Reise in voller, dreiköpfiger Besetzung stattfand. Eine Weltpremiere!
Am Donnerstag Nachmittag holte mich mein jüngster Bruder im Büro ab, und wir fuhren zusammen nach Wendlingen. Tobi war mit seiner Neuanschaffung unterwegs, einer BMW G 650 Xcountry. Das ist ein sehr leckeres, Scrambler-artiges Motorrad, von dem ich damals kaum glauben konnte, dass ausgerechnet BMW so etwas wirklich bauen wollte. Haben die Münchener auch schnell gemerkt, dass es dafür keinen Markt gibt. Aber wunderschön ist sie, die X - kein Scrambler nach heutiger Art, also ein Retrobike mit Stollenreifen, sondern eine echte Bergziege.
In Wendlingen übernachteten wir bei Bruder Nummer 2, und von dort aus ging es am Freitag im weiten Bogen über die Schwäbische Alb und durch das Allgäu an den Bodensee. Das waren gut 300 Kilometer über kleine und mittlere Straßen. Kaum, dass wir auf andere Verkehrsteilnehmer trafen. Schöne Kurven und tolle Aussichten gab es zuhauf, mit dem Westallgäu als absolutem Höhepunkt. Und die besten Kässpätzle der Welt isst man im Hotel Pelikan direkt neben dem Kloster Beuron im Donautal - extrem lecker!
Die Nacht verbrachten wir in Bregenz am Bodensee, und ich muss zugeben, dass ein solcher Übernachtungsort gegenüber den bislang bevorzugten Landgasthöfen durchaus seine Vorteile hat. Abends eine gewisse Auswahl an Kneipen zu haben, ist keine schlechte Sache...
Am Samstag fuhren wir etwas nördlich des Bodensees bis kurz vor Tuttlingen, und von dort direkt nach Norden bis nach Balingen. Die 37 Kilometer von Fridingen nach Balingen hatten es echt in sich - eine Traumstrecke! Abends gab es dann Gegrilltes und das eine oder andere Bier, und am Sonntag war der Traum schon wieder vorbei. Über B14 und B19 ging es zurück nach Würzburg, und für unseren jüngsten noch weiter bis nach Chemnitz.
950 Kilometer mehr standen am Ende auf dem Zähler der Transalp, die sich auf der Reise gut bewährt hat. Ach ja, nicht wundern, wenn ihr sie auf den Bildern seht: Durch großzügigen Auftrag von Sprühfolie sind die goldenen Verkleidungsteile mittlerweile mattschwarz geworden. Sieht nicht schlecht aus, finde ich.
Die Transalp ist wirklich viel bequemer als die NC, und noch dazu auf engen Strecken leichter zu fahren. Dafür fehlen ihr die Reserven für wirklich schnelle Kurvenfahrt. Hier lag die NC mit ihrem langen Radstad und den breiteren Reifen einfach stabiler auf der Straße und vermittelte mehr Sicherheit. Die Transalp hingegen fängt bei größerer Schräglage an zu rühren, und die Reifen kommen an ihre Grenze. Dafür ist sie eben nicht gebaut. Trotzdem ein guter Kauf.
Ach ja, bevor ihr fragt: Ja, es hat auch geregnet. Viel sogar. War uns aber egal.