07.06.2018

Alpen-Videos

Hier nun zwei Videos von der Alpen-Tour mit den Enfields:
Abfahrt vom Flüelapass
Auffahrt zum Malojapass

Entstanden sind sie mit der billigsten Actioncam, die Amazon zu bieten hatte (29,99 Euro). Die Qualität ist äußerst mäßig, aber für eine schöne Erinnerung an die Tour reicht sie aus, und der Sound kommt erstaunlich gut 'rüber. Leider hatte ich unterschätzt, wie viel Speicherplatz die Videos benötigen, und eine zu kleine Speicherkarte eingelegt. Die zwei GB waren ruckzuck voll, und so sind viele Fotos, die ich später aufgenommen zu haben glaubte, nicht gespeichert worden. Zum Fotografieren schnell vom Lenker weg und ohne anzuhalten taugt das Billigteil jedoch ganz gut.

Update:

Hier findet ihr noch den Reise- und Testbericht von Tobias:

03.06.2018

Die Vergrämung kommt voran

Auf einer kleinen Tour durchs Taubertal konnte ich heute schön sehen, wie die Zukunft des Motorradfahrens auf der Landstraße aussehen wird. Wieder haben vorsichtige Lokalpolitiker ein Stück Kurvenstraße mit einem Tempolimit versehen. Keine gefährliche, uneinsehbare Strecke, nein, eine ganz normale Straße entlang der Biegungen des Flüsschens Tauber. Dort waren es 70 km/h, anderswo sind es 80, und an einem schönen, aber auch nicht spektakulären Abschnitt im Wald bei Wertheim musste man kilometerweit mit 50 herumeiern. In der Jägersprache heißt es "Vergrämen", wenn der Waidmann oder Bauer unerwünschte Tiere dauerhaft aus seinem Revier vertreiben will. Er darf sie nicht einfach abschießen, also macht er ihnen den Aufenthalt so unangenehm wie möglich.
Genau das ist auch die Strategie, die immer häufiger gegen Motorradfahrer angewendet wird. Die will auch kein Verantwortlicher in seinem Revier haben, weil sie laut sind, gefährlich fahren und die Unfallstatistik verderben. Macht man ihnen den Aufenthalt so unangenehm wie möglich, dann bleiben sie weg, und alles wird gut. Keine Motorradfahrer, keine Motorradunfälle - so einfach und logisch ist das.
Dummerweise fällt mir nichts ein, das man dagegen unternehmen könnte. Das betroffene Gebiet meiden? Möglich, aber dann wird es keine Sonntagnachmittags-Touren mehr geben, weil man sehr weit wegfahren muss. Sich einfach an alle Limits halten? Schränkt den Spaß auf allen Maschinen, die stärker sind als die Enfield, schon sehr ein. Vorher alle Straßen auf Polizei und Blitzer abchecken und dann frei fahren? Asozial. 
Ich glaube, die tiefe Kluft zwischen Motorradfahrern und Nicht-Motorradfahrern resultiert auch daraus, dass das Bike ein reines Hobbygerät geworden ist. Biker sind im normalen Leben unsichtbar, aber treten bei schönem Wetter plötzlich in Scharen auf - genau dann, wenn auch der brave Bürger seine Freizeit in Garten, Wald und Flur genießen will. Da wäre ich von brüllenden Marschflugkörpern auf den Straßen auch genervt. 
Aber mir fällt einfach kein anderes Hobby ein, das auch nur annähernd so erfüllend wäre wie das Motorradfahren.

25.05.2018

Himalaya(n) für Anfänger

Ein Tempolimit von 80 km/h, Null Toleranz und hohe Strafen - die Schweiz hat sich als Motorradreiseland selbst aus dem Rennen genommen. Ich kann das gut verstehen: Wer will schon Horden von Verrückten mit kreischenden und stinkenden Höllenmaschinen im Land haben? Doch weil das geopolitische Neutrum gleichzeitig mit beeindruckendem Alpenpanorama, perfekt gepflegten Straßen und spektakulärer Verkehrsführung lockt, wollte man dort doch ganz gern mal wieder hin (das letzte Mal war ich vor 2004 auf zwei Rädern in der Schweiz).
Gesucht war ein Weg, mit dem Motorrad Spaß zu haben und trotzdem den Führerschein und den Kontostand bewahren zu können. Die Lösung lag auf der Hand: Ich fahre mit der Enfield!
Mit ihren 27 PS und dem niedertourigen Langhubmotor fühlt sich sich (und der Pilot mit ihr) genau bei dem Tempo am wohlsten, das die eidgenössischen Verkehrsplaner als für Leib, Leben und Wohlbefinden gerade noch akzeptabel erachtet haben. Kriminelle Überschreitungen sind nicht zu befürchten, und mit ihrer sedierenden Ausstrahlung sorgt die Inderin dafür, dass der Fahrer auch in Ortsdurchfahrten kein Problem mit dem 50er Limit hat.
Der Zufall war diesmal sehr gut zu mir. Es passt ja selten alles zusammen, aber in der Woche nach Pfingsten schon:
  • Das Kind hatte Ferien, und die Großeltern waren zur Betreuung bereit.
  • Die Frau musste zu einer Schulung.
  • Mein jüngster Bruder als bewährter Reisegenosse hatte Zeit und Lust, mitzukommen.
  • Mit der Enduro Himalayan stand das neueste Enfield-Modell als Testfahrzeug zum Vergleich bereit.
Was hätte ich mir mehr wünschen können? 

Die Reise war auf drei Tage angesetzt: Am Dienstag Anreise bis nach Friedrichshafen am Bodensee, der zeitweiligen Heimat des Ras-mussen-Schreibers. Mittwochs dann eine schöne große Runde durch die Ostschweiz mit erneuter Übernachtung in FN, Donnerstag wieder nach Hause.
An dieser Stelle müsste nun der lineare Reisebericht folgen ("Und dann gelangten wir nach ..."), aber ihr wisst, dass ich so etwas nicht schreiben kann und will. Dauert viel zu lange. Deswegen hier nur grobe Stichpunkte:
  • Am Anreisetag konnten wir erst mittags los und ich steuerte deshalb auf der B19 über Schwäbisch Hall bis kurz vor Ahlen und von dort aus per Tomtom direkt nach Süden. Auf den Abschnitten mit viel Auto- und Lkw-Verkehr mussten wir mit einer neuen Erfahrung klarkommen: drängelnden Pkw und sogar Lkw! Aber wir blieben eisern: Reisetempo 90 für meine noch nicht komplett eingefahrene Bullet. Landschaftliches Highlight war das Westallgäu mit seiner Postkartenidylle, wo ich zahllose Ortsnamen und Wegabschnitte wiedererkannte. In meiner Bodenseezeit (2001 bis 2004) fuhr ich dort viele Kilometer mit Maschinen wie MZ Skorpion und 500R, Moto Guzzi V50 und, jawohl, Honda VFR! Wie lange das her ist...
  • Aber zurück in die Gegenwart: Am Mittwoch überquerten wir den Bodensee mit der Fähre und starteten unsere Alpentour in Romanshorn. Die Schwägalp war mit 1.278 Metern der erste kleine Höhepunkt, bevor wir uns durch das dichtbesiedelte Rheintal quälen mussten. Ab Klosters wurden wir für die lange Anreise belohnt: Bei bestem Bikewetter bollerten wir nacheinander den Flüela (2.383 m), den Maloja (1.815 m) und den Julier (2.284 m) hoch und wieder herunter. Am Splügen scheiterten wir wegen einer Sperrung. Während Flüela- und Julierpass vor allem mit ihrer kargen, noch winterlichen Landschaft beeindruckten, bot der Malojapass wegen seiner treppenartig übereinandergestapelten Serpentinen den meisten Fahrspaß. Leider endete der Spaß am Ortseingang von Chur - ab hier war wieder Kolonnenfahrt angesagt. Insgesamt kamen 580 Kilometer zusammen, für die wir inklusive spärlicher Pausen zwölf Stunden unterwegs waren. Ein großartiger Tag.
  • Am Donnerstag hatten wir den ganzen Tag Zeit für die Rückreise nach Würzburg. Wir hielten uns etwas westlicher, um nicht die gleichen Strecken fahren zu müssen, und überließen diesmal dem Tomtom komplett die Planung. Die richtige Entscheidung: Die Route war viel besser und am Ende sogar 40 Kilometer kürzer! Die Routenführung des steinalten Urban Rider (2011 gekauft) ist immer noch perfekt, und der Akku hält bis zu sechs Stunden. Ich kann mir nach wie vor kein besseres Motorradnavi vorstellen.
  • Und wie schlugen sich die Maschinen? Natürlich kapitulierten sie nicht vor den mickrigen Alpen, wo sie doch in ihrer Heimat die über 5.000 Meter hohen Pässe im Himalaya erklimmen. Auch mit 25 bis 27 PS kann mal freudvoll Motorradfahren. Das einzige, was nicht geht, ist, eben mal schnell bergauf ein paar Autos oder Lkw zu überholen. Das muss man sehr genau planen. Aber man kommt immer rauf und natürlich auch runter, die Fahrwerke taten ihren Dienst, die Schräglagenfreiheit reichte auch bei der Bullet aus (bei der Himalayan sowieso), nur die Bremsen sind zu schwach und brauchen viel Kraft. Der Unterschied zwischen den beiden Motoren ist deutlich spürbar: Während die Bullet mit ihrem OHV-Langhuber wirklich wie ein Oldtimer rumpelt und knattert, fühlt sich die Enduro mit ihrem OHC-Motor wie ein ganz normales Motorrad an. Der neue Einzylinder hat etwas weniger Hubraum (411 statt 500 Kubik) und wirkt auch schmächtiger. Weil er aber höher dreht, sind die Fahrleistungen ähnlich wie bei der Bullet, und am Berg ist er sogar manchmal im Vorteil. Frappierend der niedrige Verbrauch: zwischen 2,5 Litern in den Schweizer Bergen und gut drei Litern auf deutschen Landstraßen, wobei die Himalayan immer ein, zwei Zehntel sparsamer war als die Bullet. Echt gut. Eine unschöne Sache muss ich aber doch berichten: Während die Enduro pannen- und schadenfrei blieb, leckt an meiner nagelneuen Bullet Öl aus der Kopfdichtung. Ärgerlich. 
Insgesamt kamen in drei Tagen je nach Zählung 1.350 (Bullet) oder 1.250 (Himalayan)  zusammen. So richtig einig sind sich die beiden also nicht, aber der Unterschied liegt ja deutlich unter zehn Prozent - geschenkt. Es war eine Frühlingsreise, wie sie nicht hätte besser laufen können. Danke an alle Beteiligten!

Und hier noch die Bilder: Erstmals hatte ich eine sogenannte Action-Cam am Lenker befestigt, um während der Fahrt fotografieren zu können. Die Qualität ist mäßig, was bei 30 Euro Anschaffungspreis nicht verwundert. Videos gibt es auch, aber ich muss erst schauen, ob ich die komprimieren kann.







17.05.2018

Reiseenduros der anderen Art

Eigentlich mag ich keine Reiseenduros, aber diese beiden Exemplare sind, jede auf ihre Art, doch sehr interessant: die Royal Enfield Himalayan und die Zero DSR Black Forest. Die Zero mit ihrem Elektromotor ist ein Premium-Fahrspaßgenerator, und mit der großen 14,4-kWh-Batterie sind auch ordentliche Reichweiten drin. Wir fuhren heute rund 120 Kilometer, und die Batterie hatte noch rund 40 Prozent Restkapazität. Zugegeben: Das Tempo war moderat, aber auch nicht lahm. 
200 Kilometer Gesamtreichweite sind für ein E-Bike sehr OK, für eine Reiseenduro aber mager. Immerhin verfügt die Black Forest über ein Schnelllademöglichkeit. Wer seine Route an den Ladesäulen ausrichtet, kann also auch längere Touren fahren. 
Und die Himalayan? Von ihr hört ihr nächste Woche!

13.05.2018

Café-Racer-Schwemme

Vom Hype um umgebaute Motorräder, Bärte und Flanellhemden wollen auch die Würzburger Motorradhändler profitieren, und so fand an diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal das "Bikes and Bricks" statt, eine Art Mini-Glemseck für Unterfranken. Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht, wie viele selbst gebastelte Café Racer, Scrambler und andere aufgehübschte Klassiker auf unseren Straßen schon unterwegs sind. 
Unter der ausgestellten Neuware interessierte mich vor allem die Husqvarna Vitpilen. Wenn man wie ich lange Jahre einen sportlichen Straßensingle gefahren ist, dann sollte dieses superkompakte Moped die Verkörperung aller Träume sein. 75 PS bei 165 Kilogramm, und dann diese schlanke Gestalt und das minimalistische Design - ein Wahnsinn. Aber für mich ist sowas mittlerweile zu sportlich.
Schön fand ich auch das Zusammentreffen auf dem anderen Bild. Triumph Thruxton mit Teilen aus dem Regal, aufwendig optimierte Ducati GT 1000 und geschmackvoll aufgebauter Racer auf Honda-CB-Basis - drei Wege, ein Ziel.

06.05.2018

Motorradfamilie

Einmal Pfalz und zurück: An diesem Wochenende kamen wieder 400 sonnige Landstraßenkilometer hinzu. Schön, dass das mittlerweile vollkommen problemlos mit dem Nachwuchs zusammen funktioniert. Der Kleine ist ein echt guter Sozius, bleibt konzentriert bei der Sache und schwächelt auch bei einer dreistündigen Tour nicht. Und die Ehefrau ist vollkommen geflasht von ihrer Street Triple. Gute Voraussetzungen für eine tolle Motorradsaison.

01.05.2018

Begeisterung, neu entfacht

Die erste richtige Tour mit Isas neuer Maschine führte - wohin auch sonst - auf die Wasserkuppe. Die Liebste ist total begeistert von der Streetie, weil sie sich so viel einfacher fahren lässt als die MT-09, ohne deswegen irgendwie langweiliger zu sein. Ist offenbar ein richtig gutes Bike - muss ich unbedingt mal ausprobieren. Wenn ich darf.