14.01.2018

Das Ende des Motorradfahrens, wie wir es kennen

80.
Km/h.
Auf der Landstraße.
Dann kann man das Motorradfahren auch sein lassen, oder?
Die Nachricht, dass Frankreich ab dem 1. Juli das Tempolimit von 90 auf 80 km/h senken will, hat mich wirklich geschockt. Nun mag es in Frankreich unendlich viele Straßen geben, auf denen man mit 80 noch richtig viel Spaß haben kann - oder auf denen der nächste Polizeiposten weit genug weg ist.
Schlimmer ist, dass diese Nachricht jenen Kräften Auftrieb gibt, die ähnliche Pläne auch für Deutschland haben. Zwar denken Experten hierzulande weniger über ein allgemeines 80er-Limit nach, sondern um abgestufte Werte je nach Ausbauzustand. Aber für schmale Straßen ist hier sogar die Zahl 70 im Spiel. Also genau auf den Wegen, auf denen das Motorradfahren am meisten Spaß macht.
Ich kenne nicht viele Straßen in Deutschland, auf denen man mit 70 oder 80 auf dynamische Weise Zweiradspaß haben kann, sprich klassisches Kurvenfahren mit viel Schräglage. Und die paar Strecken im Schwarzwald, der Eifel oder sonstwo sind längst gesperrt oder rundum überwacht. Motorradwandern geht natürlich mit diesem Tempo wunderbar, aber soll das die einzige Zukunft des Motorradfahrens sein?

Vielleicht sollte ich umgehend Harley-Davidson-Aktien kaufen.

10.01.2018

Zwei Tage in Spanien

Wer sein Hobby zum Beruf macht, der hat schnell kein Hobby mehr. Das gilt auch beim Motorrad - viele Motorradhändler und andere Beschäftigte in der Branche wissen, was ich meine. In meinem Job ist der Motorradanteil relativ gering und in den letzten Jahren weiter gesunken, weswegen für meine private Bike-Begeisterung keine Gefahr besteht und ich mich immer über einen beruflichen Motorradtermin freue.
Besonders über die Einladung zum Presse-Event in Almeria.
Alljährlich Anfang Januar tun sich einige Unternehmen aus der Branche zusammen und laden Journalisten zu Testfahrten ein, und zwar in die Nähe von Almeria in Südspanien. Das Ganze dauert etwas länger - zwei bis drei volle Fahrtage plus An- und Abreisetag - und läuft etwas lockerer ab als die üblichen Präsentationen der Fahrzeugindustrie mit ihrem Zweitagerhythmus. In diesem Jahr konnte ich für die "Bike und Business" wieder einmal dabei sein. Die Ausrichter waren Nolan, Suzuki, Motorex, Touratech und Spidi, und diese übernahmen auch die Reisekosten. Organisator vor Ort war Bike Promotion.

Die reine Essenz des Motorradfahrens
Ende der Vorrede. Kommen wir gleich zum Resümee: Almeria 2018 war eines der Highlights meines Motorradlebens. Es waren zwei Tage Motorradgenuss in konzentriertester Form, quasi die Trockenbeerenauslese unter den Bike-Events. Alles, was einen hätte stören oder vom reinen Fahren abhalten könnte - Navigation, Suche nach Pausenlocations, schlechtes Wetter, langweilige Streckenabschnitte, zu langsame oder zu schnelle Mitfahrer - war einfach nicht da. Nur die guten Seiten blieben übrig, die reine, schmackhafte Essenz: berauschende Kurvenstrecken mit bestem Asphalt, atemberaubende Aussichten von kargen Berggipfeln, kompetente Mitfahrer und absolut souveränes Tourguiding (danke an Kai-Uwe und Thomas).
Am ersten Tag absolvierte ich die "Adventure-Tour", die auf Suzuki V-Strom 650 über praktisch alle im Hinterland von Almeria vorhandenen Straßentypen (exklusive Autobahn) führte: vom ausgetrockneten Flussbett über Schotterwege, kleinste betonierte Verbindungspisten und schwungvolle Landstraßen bis hin zu haarsträubenden Bergrennstrecken. So langweilig sie aussieht, so kompetent meisterte die kleine Strom alle Aufgaben. Nirgendwo fühlte sie sich überfordert an. Wirklich ein richtig gutes Motorrad. Ich habe sogar das mit dem Stehend Fahren hingekriegt.

Fast wie ... : Ducati Supersport
Am zweiten Tag fuhren wir auschließlich auf Asphalt, aber mit unterschiedlichen Motorrädern. Ich entschied mich für die neue Retro-Kawasaki Z 900 RS, die kurz vor der Rente stehende BMW F 700 GS und die ebenfalls recht neue Ducati Supersport. Besonders letztere hat es mir sofort angetan. Was für eine fantastische Maschine! Die Entwickler haben ihr alles abgewöhnt, was einen früher an einer Landstraßenducati stören konnte: das sture Fahrverhalten etwa oder der bei niedrigen Drehzahlen ruppige Motor. Und trotzdem ist der typische Ducati-Charakter erhalten geblieben: drehfreudiger Motor mit tollem Sound, absolute Fahrstabilität auch bei hohem Tempo.
Anfangs war ich ja skeptisch, ob ich mit dem Stummellenker zurechtkommen würde, aber die Sitzposition war keinesfalls unbequem. Selbst in engen Kurven fühlte ich mich nie unsicher oder angestrengt. Man sitzt konzentriert auf diesem Motorrad, immer unter Spannung, nie lässig, aber das ist genau richtig so. Und der Knieschluss auf der schlanken Maschine ist so perfekt, dass man sich beinahe wie ... Aber dazu denkt euch selbst ein passendes Bild aus.
Die Kawa hingegen ist unzweifelhaft ein feines und optisch sehr gelungenes Motorrad, als Vierzylinder sagt sie mir aber nix. Und die BMW? Unauffällig, aber fähig - ähnlich wie die V-Strom.
Mit rund 550 Kilometern an zwei Tagen, und davon praktisch alles Kurven, kann man mehr als zufrieden sein. Das war der bestmögliche Start in das Jahr 2018. Mal sehen, was noch kommt.









30.12.2017

Es war nicht alles schlecht

Gar nicht so einfach, ein Resümee für das Motorradjahr 2017 zu ziehen. Schließlich habe ich meinen Bestand in diesem Jahr von fünf auf zwei Maschinen verringert; auch die Gesamtfahrleistung fiel mit rund 5.500 Kilometern relativ bescheiden aus. Wenig glücklich war ich auch über die hohen Reparaturkosten der Buell.
Trotzdem war es eigentlich keine schlechte Saison, denn mit der grandiosen Vogesen-Schottertour sowie den Ausflügen nach Thüringen und erneut in die Vogesen fanden immerhin drei mehrtätige Motorradtouren statt.

Hier fürs Logbuch die Kilometerstände der verbliebenen Maschinen:
Buell: 25.679
Honda: 9.623

P. S. Nach ein paar Monaten mit den beiden oben genannten Fahrzeugen kann ich aus Erfahrung sagen, dass zwei Motorräder einfach zu wenig sind. Der Wunsch nach einer weiteren Maschine (gern einzylindrig, wenn möglich von MZ) wird immer größer - vor allem, nachdem mich gestern ein alter Motorradkumpel am Telefon vollkommen entgeistert gefragt hat: "WIE? DU HAST KEINE MZ MEHR??" Mal sehen, was im nächsten Jahr an Budget und vor allem Zeit zur Verfügung steht. Beides ist derzeit noch relativ unklar. Eines hingegen ist klar: Ein Standzeug hole ich mir nicht mehr. Wenn, dann muss ich damit auch fahren.

02.11.2017

Sie ist wieder da

Seit fast zwei Monaten war die Buell nun in Behandlung. Nachdem die ursprünglichen Krankheiten (Regler und Auslasssteuerung kaputt, Ventildeckel undicht) geheilt waren, tauchten abrupt zwei neue auf - für die die Maschine ausnahmsweise nichts konnte. Kaum zu glauben, aber wahr: Eines der vor gut einem Jahr eingebauten Radlager ist bereits wieder kaputt gegangen und hat mir einen mächtigen Schrecken eingejagt, weil das Rad samt Bremsscheibe plötzlich eierte und die Bremse nicht mehr funktionierte. Das hätte richtig böse enden können. Und die Kupplung trennte nicht mehr richtig, weil - wie sich später herausstellte - der italienische Vorbesitzer einen waghalsigen, aber untauglichen Reparaturversuch am Primärtriebsdeckel unternommen hatte. Steckt man halt nicht drin.
Jetzt ist alles repariert, die Garage wieder voll, das Konto leer, und ich überlege, wie es weitergeht. Wäre es vernünftig, die Buell jetzt zu verkaufen - nun, da alles funktioniert? Oder soll ich sie nächstes Jahr weiterfahren, auf die Gefahr hin, dass überraschend schnell wieder teure und schwer erreichbare Komponenten kaputt gehen? Schwere Entscheidung. Aber sie ist bereits gefallen.

18.10.2017

Der Gipfel


Ein paar Tage habe ich gebraucht, um das grandiose Fahrerlebnis vom Sonntag zu "realisieren", wie es in Sportlerinterviews immer so schön heißt. Nein, Quatsch, ich hatte nur einfach keine Zeit zum Bloggen.
Die Tour war ein Traum: goldenes Sonnenlicht, milde Luft, trockene Straßen lockten uns drei in die Rhön. Noch einmal wollten wir die gute Luft und die schöne Aussicht auf der Wasserkuppe genießen, die Laubfärbung bewundern und einfach ein paar Stunden Motorrad fahren. Nachdem sich der Morgennebel aufgelöst hatte, fuhren wir auf kleinen Straßen über Arnstein, Wasserlosen, Oberthulba am Kreuzberg vorbei in Richtung Bischofsheim. Über die Hochrhönstraße ging es zum Gipfel der Wasserkuppe, der so überlaufen war, wie ich es noch nie gesehen habe. Die Parkplätze waren überfüllt, über Kilometer hinweg standen Autos am Straßenrand. Offensichtlich hatte alle Welt das Gefühl, das es das letzte schöne Wochenende sein würde. Kein Vergleich mit meinem letzten Aufenthalt auf der Wasserkuppe, bei der ich der einzige Motorradfahrer dort war (dabei war es damals genau so schön und nur 12 Grad kälter).

Nach Bratwurst, Cola und einem kleinen Rundgang über den Motorradparkplatz (immerhin zwei Buell und eine MZ) fuhren wir über die B27 zurück nach Würzburg. Das waren vier Stunden pures Glück. Jetzt kann der Winter kommen (aber bitte nicht so schnell).

30.09.2017

Aussichten

Nach zwei relativ problemlosen Saisons ist nun an der Buell doch einiges kaputt gegangen. Ist eben eine Bastelbude. Nachdem ich sie vorgestern gegen eine erhebliche Summe beim Harley-Händler ausgelöst hatte, folgte heute eine erste kleine Runde bei schönstem Herbstwetter. Und gleich tauchte das nächste Problem auf. Grmpf.

25.09.2017

Hinterm Café geht es weiter, immer weiter

Café Racer sind ja gerade schwer angesagt. Natürlich nur selbst gebaut aus irgendeiner alten Rinde - im Moment meistens eine Zweiventil-BMW. Wer aber ohne selbst zu schrauben ans Ziel will, und zudem lieber auf moderne Technik und ordentlich Leistung setzt, der hat gar nicht so viel Auswahl.
Eigentlich gibt es da nur die Triumph Thruxton.
Die ist aber gleich richtig gut. Vor gut zehn Jahren besaß ich ja das Vorgängermodell, das nur eine Optikvariante der Bonneville war und damit genau so lahm und langweilig wie diese. Heute ist die Thruxton deutlicher von den anderen Modellen separiert: schlankeres Design, niedrigeres Gewicht und mehr Leistung (71 kW/97 PS). Trotz der sehr gelungenen Retro-Optik ist die Thruxton ein sportlicher Landstraßenbrenner, der sich auch mit modernen Naked Bikes messen kann. Das gilt vor allem für die R-Variante mit Upside-Down-Gabel und Öhlins-Federbeinen.
Schön, dass die Thruxton kurz vor dem ersten Schnee noch als Testmaschine in den Verlag gekommen ist. Auf einer kleinen Spessartrunde zusammen mit Isabelle konnte ich sie ausprobieren. Besonders überzeugt hat mich dabei der Motor: Er zeigt trotz höherer Leistung im Vergleich zur Bonneville immer noch eine druckvolle Unten-Mitte-Abstimmung. Schon knapp über 2.000 Umdrehungen stampft er los und schleudert die Engländerin fast schwerelos nach vorn. Die 112 Newtonmeter geben eine echt souveräne Vorstellung. Dass schon bei 7.000 Umdrehungen der rote Bereich beginnt, stört mich überhaupt nicht. Mit der serienmäßigen Auspuffanlage gibt die Maschine einen dumpfen, grollenden Sound ab, der dem Ohr des Fahrers schmeichelt, ohne die Umwelt zu nerven. Klang ohne Krach - so soll es sein.
Die leichtgängige Kupplung und die exakte Schaltung sind weitere Pluspunkte. Nur die prunkvolle, radial montierte Brembo-Bremso überrascht mit einer recht defensiven Auslegung. Hier würde ich mir ein knackigeres Ansprechen wünschen. Leider lässt sich das Ansprechverhalten der Bremse noch nicht mit einem Knopfdruck verändern, wie es beim Motor möglich ist. Die Thruxton besitzt drei Fahrmodi (Sport, Road, Rain), die den Charakter sehr spürbar beeinflussen (wobei ich "Rain" ehrlich gesagt nicht probiert habe). Während "Road" zu sehr in Richtung Cruising geht, ist "Sport" einfach perfekt: Jeder Millimeter Bewegung am Gaszug wird direkt in Schub umgesetzt; ohne dass es beim Lastwechsel zu unschönen Ruckeleien kommt. Das haben die Engländer wirklich gut hingekriegt. Das teure Fahrwerk der R-Variante (2000 Euro Aufpreis) war mir etwas zu straff, aber ich habe für die kurze Tour auch nicht an den Einstellschrauben gedreht. Da geht sicher noch was.
Sonst bleibt nicht mehr viel zu wünschen übrig. Wenn ich die Thruxton mit der BMW R9T vergleiche, dann gefallen mir der Motor, der Sound und das Design der Engländerin deutlich besser, die Sitzposition allerdings nicht. Stummel sind einfach nichts (mehr) für mich. Bittebitte Triumph, schiebt noch eine Version mit Rohrlenker nach.