25.05.2008

Das Treffen des Jahres

Der Zeitplan ließ keine Pause zu. Freitag morgens um sieben in Savona runter von Schiff, den VW-Bus eingenordet und in neun Stunden nach Würzburg gebrettert. Dann schnell die Maschinen ausgepackt und auf nach Hammelburg, gottseidank nur eine halbe Stunde entfernt. Skorpion-Treffen 2008! Was für eine Freude, die Jungs und Mädels nach einem ganzen Jahr wiederzusehen. Viele alte Bekannte, manche Neuzugänge, toll umgebaute Maschinen. Eine schöne Spessarttour bei bestem Wetter. Ein Wochenende, wie es sein soll.

Urlaub unter Schweinen

Die Insel Korsika ist ein Paradies für Schweine. Nichts anderem als dem eigenen Willen gehorchend, tummelt sich das Borstenviech grunzend in Gottes freier Natur. Mal zupft es zärtlich an Brombeerblättern, mal futtert es kräftige Kastanien. Und dann wieder tut es einfach nichts und ergeht sich, wenn's ihm beliebt, auf dem warmen Asphalt der Straßen.
Wie ersprießlich eine solche Lebensweise ist, sieht man der korsischen Schweinepopulation durchaus an: Sie sind muskulös und elegant und keine fetten Schwabbel wie die deutschen, in industrieller Mast erzeugten Schwartenlieferanten. Und sie munden, auch das muss an dieser Stelle gesagt werden, ganz vortrefflich.
Doch nicht nur für Paarhufer, auch für den so genannten Menschen stellt sich das Leben auf Korsika höcht angenehm dar. Selbst wenn er nicht all seine Tage auf der "Insel der Schönheit" (ausnahmsweise zutreffende Eigenwerbung) verbringen darf, sondern nur wenige Urlaubswochen. Dann heißt es: Flink runter vom Schiff, eine nette Ferienwohnung suchen (zum Beispiel im hübschen Dörfchen Petreto-Bicchisano, am Schnittpunkt vierer ganz unterschiedlicher Motorradreviere) und den Motor gestartet. Das besonderste (wenn es so etwas überhaupt gibt) an Korsika ist die unglaubliche Vielfalt der Landschaften. So fährt man beispielsweise am schönsten Mittelmeer-Klischeestrand los, beispielsweise in einem pittoresken Fischerdorf, und befindet sich schon wenige (hundert) Kurven später in einer hügeligen, strauchbewachsenen Macchia-Vegetation. Wie das duftet und blüht, gerade jetzt im Frühjahr! Die Straße geht beständig bergan, bald lösen feuchte, schattige Mischwälder die Macchia ab. Auf der Passhöhe herrschen dann Nadelbäume vor, es ist frisch, und der Reisende fühlt sich an die Alpen oder Skandinavien erinnert. Nur um schön wenige Kilometer später im allerschönsten deutschen Wiesengrunde zu landen, in dem nur die Abwesenheit von Autos, Gewerbegebieten und Einfamilienhaussiedlungen dankenswerterweise diese Illusion zerstört.
Das alles spielt sich auf einer Tour von nicht mehr als 100 Kilometern ab, wobei zu sagen ist, dass 250 Kilometer eine ausreichende Tagesaufgabe sind. Es gibt praktisch keine geraden Straßen auf Korsika, oder zumindest kann man die wenigen vorhandenen leicht umgehen. Der Stundenschnitt liegt bei höchsten 40 km/h. Der Straßenzustand schwankt zwischen blendend und erschütternd, wobei die Hierachie der Verkehrswege auf der Karte keinerlei Rückschluss auf Breite und Oberflächenqualität des Asphaltbandes zulässt. Die beste Motorradstrecke war für mich die D 302 von Pisciatella nach Bisinao, südlich von Ajaccio. Bester Asphalt, breit ausgebaut, aber kein Auto unterwegs. Und die Landschaft ausnahmsweise einmal (für korsische Verhaltnisse!) belanglos, so dass nichts den Fahrgenuss störte. Die schönste Landschaft freilich, immer noch nach meiner unmaßgeblichen Meinung, sahen wir entlang der alten N 197 zwischen Lozari und Ponte Leccia im Norden. Ein Traum aus Hügeln; Bächen und unglaublich vielen Farben.
Dass es außer tollen Straßen und Landschaften auch noch gutes Essen, schöne Städte und Dörfer, herrliche Strände und freundliche Menschen gibt, macht den Urlaub perfekt. Und für das in diesem Jahr recht unperfekte Wetter kann die Insel ja nichts. Wenn das nun auch noch immer passen würde, dann wollte ich mich auf der Stelle in ein Schwein verwandeln.

11.05.2008

Lässig an der Wand lehnen

Heut' nacht um zwei geht's los. Korsika. Aus Gründen der Anreisebequemlichkeit haben wir die Maschinen in den Bus gepackt. Wie vorhergesehen, klappt das problemlos. Beide lehnen abgepolstert durch eine Matratze an der Seitenwand des Autos und sind mit Riemen gegen Umkippen gesichert. Mal sehen, was alles abbricht. Habe vorsichtshalber Ersatzblinker mitgenommen.
In der Mitte lagern dekadente Mengen an Gepäck, wie sie auf zwei Motorrädern allein niemals unterzubringen wären. Das wird ein schöner Urlaub.

04.05.2008

MZ-1000-Zähler

Als MZ-Fan liegt mir das Schicksal der gebeutelten Firma stark am Herzen, und dieses ist eng verknüpft mit den Verkaufszahlen der 1000er Baureihe. Die vom KBA veröffentlichten Verkaufszahlen sind bekanntlich niederschmetternd klein, doch mein persönliches Erleben spricht eine andere Sprache. Mir fallen S oder SF nämlich signifikant häufig im Straßenverkehr auf, viel häufiger etwa als die, ähem, Skorpion.
Deshalb will ich von nun an die Sichtungen der 1000er zählen und hier aufschreiben. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte.
4. Mai 2008: 1 x S (nahe Würzburg)
5. Mai 2008: 1 x S (in Würzburg)
23. Mai 2008: 2 x S, 1 x SF, 1 x ST (Hammelburg) (( auf dem Skorpion-Treffen, zählt das?))
27. Juli 2008: 1 x SF (bei Kathi-Bräu)

03.05.2008

Geht ganz automatisch

Nachdem ich jetzt testhalber einige hundert Kilometer auf der neuen Aprilia Mana zurückgelegt habe, wird es Zeit, meine Eindrücke in Worte zu fassen. Die Mana ist ein Naked Bike mit dem Triebstrang eines Großrollers, das heißt eine Riemen-Variomatik trifft auf einen 850er V2 mit zirka 75 PS. Mit Rollern habe ich bislang nicht viel Erfahrung, aber ich mag Automatik-Autos und deren schwereloses, lässiges Cruiser-Feeling. Entsprechend aufgeschlossen ging ich an die Sache (und an die Maschine) heran.
Und wurde nicht enttäuscht. Das Ding macht gewaltig Spaß, solange man flüssig fahren kann. Der Motor hat genügend Drehmoment, um stets auch bei mittleren Drehzahlen ausreichend Durchzug zu bieten. "Surfen auf der Drehmomentwelle", dieser abgedroschene Ausdruck passt hier sehr gut. Noch dazu gewinnt der Manafahrer jeden Ampelsprint, wenn er Wert 'drauf legt. Denn die Automatik hält den Motor vom Start weg im günstigsten Drehzahlbereich - dorthin muss man mit "normalem" Getriebe erstmal kommen.
Erst bei höheren Geschwindigkeiten, also wenn man zum Beispiel oberhalb von 100 km/h noch schnell an einem Auto vorbeischnipsen will, fühlt sich der Motor etwas gequält an. Aber andererseits – bei einem Schaltgetriebe muss man in diesem Fall entweder ein, zwei Gänge heruntersteppen oder mit extrem wenig Schub vorliebnehmen.
Die lässige Kompetenz des Triebstranges kann das Fahrwerk allerdings nicht bieten. In starker Schräglage rührt es mächtig um die Längsachse. Das macht keinen Spaß und fühlt sich recht unsicher an. Aber sonst geht der Fahreindruck schwer in Ordnung. Wenn ich an die mir bevorstehende Schaltorgie mit dem Einzylinder auf Korsika denke, träume ich ganz tief in mir doch ein klein wenig von der Automatik. Nicht unbedingt dieses Riemendings (in der Mana absurderweise kombiniert mit einer Ketten-Endantrieb), sondern so etwas wie das Kegelringgetriebe von GIF (http://www.gif.net/de/entwicklungen/krg/). Das müsste in einem Motorrad eigentlich sehr gut funktionieren. Aber das ist natürlich eine Sache für die Industrie.